Posted on Jul 26, 2008
“Woanders wird auch geträumt, ich weiß; in jeder Stadt der Welt leben die Menschen mit großen Erwartungen und kleinen Lügen. Aber in Berlin geht das besonders gut. In Berlin macht es einen so melancholisch, darauf zu hoffen, dass die Dinge so werden, wie man es will. Und außerdem: Etwas dafür zu tun, geht hier leichter, weil so viele um einen herum sind, die das auch versuchen.
Ich rede von der Boheme, von Tausenden mehr oder weniger jungen Leuten, die aus Frankfurt, New York oder Kyoto vor allem in den Osten Berlins kommen und dort zuerst sich selbst zu sein und dann vielleicht Stars für einen Tag oder ein Leben. Ob sie wirklich etwas können und später Filme drehen, die Musik machen, die Bücher schreiben werden, wie sie es sich wünschen, ist egal. Ihr größtes und wichtigstes Projekt ist die Stadt selbst, die sie mit ihrem Ehrgeiz und ihrem Individualismus beseelen. Die Boheme war natürlich schon immer die Avantgarde der Großstadt - und wenn die Boheme einen Bogen um die Großstadt macht, dann ist die Großstadt keine. Berlin ging es so fast sechzig Jahre, von Hitlers Anfang bis zu Honeckers Ende. Jetzt kommen sie wieder alle hierher. Die Schönen, die Freien, die Bekloppten und das hat erst begonnen…”
Loading comments...