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Posted on Oct 20, 2007

Ein Kessel voller Buntes

Hey, Poetengeflüster im Lignerschloss, da wollt' ich schon immer mal hin und ich danqe Banq für die Erfüllung dieses Wunsches.

Genug der Lobhudelei, auf gehts, den Drahtesel gesattelt und an der abendlichen Elbwiesenstimmung entlaggeradelt,befinde ich mich kurzerhand im dunklen Blätterwald des Schlosses wieder. Doch die akustischen Signale der doch zahlreich erschienenen Gäste signalisierten mir den Weg. Dem alten Karl August Lingner sei Dank, dass dieses Juwel der Schlösserbaukunst einen jedem Bürger zur Verfügung steht und die junge Kunstszene ihren geistigen Output in den aristokratischen Gemäuern freien Lauf lassen kann. Ein herrliches Anwesen mit wunderschönem Blick über Dresden, lies mich schon vor der Veranstaltung auf Gedankenreise gehen. Einen Sonntagsspaziergang an diesen Ort kann ich nur wärmstens empfehlen.

Aber zurück zum Eigentlichen Geschehen. Den letzten freien Platz ergatternt pflanzte ich mich am Bühnenrand zwischen Altfrauenbeinen und Lichtanlage um dem zu Lauschen was mir nun dargeboten wurde. Und ich muss sagen, dass dieses mich total fasziniert und positiv überrascht hat und meiner Meinung nach nun rein gar nix mit "Klein-Kunst-Bühne" zu tun hat, denn die Darbietungen waren durchgängig auf hohem Niveau und die Stimmung im Saal war einfach ausgelassen, wie bei einem großen Familientreffen.

Zu Erleben gab es an diesem Abend alles Mögliche, angefangen bei Musik über Lyrik, Prosa und Kabarett waren dem/der KünstlerIn keine Grenzen gesetzt. Ich fand's toll und spreche meinen Respekt alle Künstler aus, welche den Mut hatten, sich dort vor fremden Puplikum ohne festen Rahmen zu präsentieren! Auf der Bühne standen alle möglichen Menschen, von musizierenden Studenten, Clubbesitzern, TrabbiOma, Mädelzband bis hin zu proffesionellen Totengräbern, war alles vorhanden. Ein Jeder hatte 10 Minuten Zeit sich zu präsentieren, doch die Veranstalter nahmen Gott sei Dank dieses Zeitfenster an diesem Abend nicht allzu Ernst.

Die Band Magic Ingwer stimmte mit wohlklingenden Accousticklängen bekannter sowie eigener Pop/Rocksongs auf den Abend ein. Der erste Höhepunkt folgte als Bald mit einem sehr geilen Text von Sabine Dressler, welche dem geneigten Zuhörer in unverblümter Sprache die Schwierigkeiten einer Lektorin der PRALINE näherbrachte. Ich hab' seit Langem nicht mehr so gelacht und die zu hörende Aufgeregtheit in ihrer Stimme machte alles nur noch sympathischer. Ich hoffe in Zukunft mehr von ihr zu hören & zu lesen. Das Zwerchfell gerade so beruhigt gönnte man mir keine Pause, denn auf der Bühne stand die TrabbiGerda und schmetterde ein Gedicht nach dem Anderen im urigsten Sächsich in die Menge. Die Leute tobten und auch Gerda hatte sichtlich Spass an der Sache. Bis dahin wusste ich nicht, dass ich mich mit Texten über Holzwürmer und Schrebergärten so köstlich amüsieren kann. Gerda Ich danke Dir!

Über tiefsinnig anmutende Beobachtungen aus der Neustadt gelangten wir bis zur fast vollständigen Verdunkelung des Raumes, wobei die akkustischen Aüßerungen des nächsten Autors so leise waren, dass ein Jeder schwieg und alleine dieser Umstand mit einfachen Mittel einen ganzen Saal ruhig zu halten faszinierte mich. Die Texte selbst waren nicht mein Fall, aber dass ist ja das Schöne an solchen unvorbereiteten Abenden dass ein Jeder Auftritt etwas völlig Neues bedeutet.

Nun folgte einer Der Höhepunkte des Abends für Mich. Ein junger Mann aus Berlin, umringt von einem ganzen Hofstaat verschiedensten Instrumentariums, in dessen Mitte seine "Loop-Machine" stand, zauberte einen Beatboxelectrohiphoploopingsampleukulelesmashit nach dem Anderen aufs Parkett. Mittels verschiedener Techniken wie Loopsampling, Beatboxing und Gitarrenspiel nahm uns dieser Herr mit auf die Reise der Entstehungsgeschichte eines Freestylesongs. Mit deutlich überzogener Auftrittszeit beendete er die erste Hälfte des Abends und das Publikum zollte ihm gebührend Tribut.

Man vertrat sich die Beine im Areal des Schlosses, schlürfte den ein oder anderen Martini oder war es ein Becks, egal jedenfalls erinnerte die Kloschlange mal wieder an Zonezeiten vorm Gemüsestand und das ein oder Andere Gespräch mit bekannten Gesichtern ereignete sich.

Die zweite Hälfte eröffnete man Standesgemäß mit der Band "Dein Mund gehört Mir" welche mit ihrer Eigeninterpretation des Filmes Nightmare before Christmas gut für Stimmung sorgten. Ein zum Kontrabass umgebauter Kindersarg rundete die ganze schaurig schöne Totengräberstimmung aufs Perfekteste ab. Der Saal war jedesmal entzückt wenn die Leadsängerin in ihre Mundharmonika pfiff und der Bassist die Seiten schnarren lies.

Nicht weniger unterhaltsam kam Steffen Blaubach mit seinem Text über nervende Telekomanrufe daher und ich muss sagen dass ich schon lange keine so entspannt lesenden Menschen auf einer Bühne gesehen habe. Schöner Lesestil, sehr schöner Text, außerdem organisiert er die "offene Bühne im Hecht", mein Fazit - sehr empfehlendswert.

Der Abend neigte sich dem Ende zu, doch nicht ohne vorher noch 2 absolute Höhepunkte zu liefern. Thomas Jurisch, seines Zeichens Moderator und Organisator des Abend, brachte uns Alle mit seinem voll aus dem Leben gegriffenen, beziehungsgewichtigen, nur so vor Gewalt strotzenden, verkaterten und liebevollen Poparttext in die harte Realität eines Lebemannes zurück. Und um Dem einen würdigen Abschluss zu geben und den geschlechtsspezifischen Gegenpart zum eben gehörten Machogelalle zu liefern, betraten zu guter Letzt die Kabarettband "Die Mädelz" die Bühne und begeisterten mit ihrer Popmashupmedleyinterpretation bekannter Charthits dann endgültig das gesammte Publikum und ich muss sagen, lange nicht mehr so einen geilen Abend mit so viel Stimmung und extrem verschiedensten Inhaltes erlebt zu haben. Es bleibt den Machern der Veranstaltung ein großes Lob auszusprechen für das Gespühr die jeweiligen Künstler zusammengestellt zu haben und die Hoffnung zu äußern, dass diese Veranstaltungsreihe an genau dieser Location noch ewig erhalten bleiben mag.

Wbs_70

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