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    <title>yakyak.</title>
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    <description><![CDATA[yakyak, 26, münster.]]></description>
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      <title>1-76b569fdfb714cf0</title>
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      <description><![CDATA[<a href="http://virb.com/yakyak/photos/1420768"><img src="http://g.virbcdn.com/i/resize_575x575/Image-96892-843952-176b569fdfb714cf0.jpg" /></a>]]></description>
      <pubDate>Tue, 11 Sep 2007 19:54:25 -0700</pubDate>
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      <title>warum</title>
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      <description><![CDATA[sind hier immer noch so wenig leute. als wenn myspace toller sei. ist es doch gar nicht.

puuuh, ist das kalt draussen.

xx]]></description>
      <pubDate>Mon, 22 Oct 2007 13:03:27 -0700</pubDate>
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    <item>
      <title>asiatisch essen mit yakyak</title>
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      <description><![CDATA[so freunde. mir ist ja schon seit tagen nicht so wohl im magen....

das muss zu papier, denn es war sicher nicht der übermäßige dönerkonsum der letzten woche, sondern der enttäuschende besuch des ehemaligen supergeilo "china king's". früher noch an der warendorfer str. circa auf höhe cinema und meiner straße located erfrischte er mein leben durch die 39. ganz toll: hühnchen mit cashew kernen und gedöns. dreieurosiebzig, die ich gern ausgegeben habe. 

was musste ich letzten monat ernüchternd feststellen? dicht gemacht?!! wtf. nein nein weit gefehlt. der gleiche laden ist jetzt inklusive speisekarte, aber exklusive alter belegschaft auf der wolbecker str. zwischen asia shop und papa george/nilo kiosk gelandet. wie in der wirtschaft. fabrik abbauen und wieder aufbauen... problem: dabei dann auch die qualität halten. was natürlich nicht der fall ist. die gerichte sind immer noch die gleichen, nur der geschmack muss irgendwo im bermuda dreieck zwischen friedensstr./sternstr./diepenbrockstr. liegen geblieben sein. ich gucke gleich mal nach. der inzwischen eingesetzte dauerregen müsste ihn aber schon längst weggespült haben. schade. alles gute muss irgendwann gehen. und dann noch ohne tschüss zu sagen. das ist nicht die feine englische art.

letzte woche wollten wir besuch aus dem fernen "fleischfleischfleischMITfleischland: kroatien" zu meinem lieblingsasiaten "hai cheng" an der warendorfer str. (ggü. NRW bank) ausführen. wieder ernüchterung. auch der laden hat zu. nie wieder ti bang shao ente mit schön knoblauch!!? nie wieder!? scheinbar, ja. was für ein kack. dabei hatten wir sie endlich mal soweit, mal nicht grillteller zu essen.

heute gehe ich zum neu eröffneten "may thai" (im alten "china king" an der warendorfer) und bestelle die 52. im vergleich zum vorgänger ist die karte deutlich aufgepimpt worden. dem entsprechend auch die preise. mein hühnchen mit bambus und champignons schmeckte nach nichts. nachdem ich rote soße draufgepackt hatte, nach roter soße. das kann doch alles nicht wahr sein. dann fing es auch noch an zu regnen und die frisch gewaschenen haare, die ja eh schon nach china imbiss stanken, sind auch noch nass und liegen nicht mehr.

was nun: zu pham's in der sonnenstraße gehen und wieder fast 1 1/2 stunden aufs essen warten und sau viel bezahlen? 

oder doch wieder döner? 

au revoir. 

bis gleis heute abend, leute. die unterhosen sind da!]]></description>
      <pubDate>Wed, 17 Oct 2007 08:47:07 -0700</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>schubs mich nicht, weil ich am abgrund stehe ...</title>
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      <description><![CDATA[... ich frage mich, was das alles hier soll. also wirklich.]]></description>
      <pubDate>Mon, 15 Oct 2007 19:11:30 -0700</pubDate>
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    </item>
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      <title>gesammelte werke der vergangenheit pt. II</title>
      <link>http://virb.com/yakyak/posts/text/272230</link>
      <description><![CDATA[================================================================================================

Ignite - Our Darkest Days	
	
Century Media
Spielzeit: 36:05
VÖ: 12.05.2006

IGNITE machen ein neues Album! Sechs Jahre sind inzwischen seit "A Place Called Home" vergangen. Nicht, dass sich die Jungs all die Jahre im stillen Kämmerlein versteckt hätten. Es wurde immer, überall und sowieso ohne Ende getourt. 7", 10" und Split CDs wurden veröffentlicht. Die Erlöse aus diesen Releases wurden hauptsächlich an diverse Organisationen wie The Sea Shepherd Society, Earth First und Pacific Wildlife Foundation gespendet. So viel zum Thema Punk und Hardcore Attitüde.

In einer Zeit, wo man jede Woche durch neue hochgepushte Bands genervt wird, ist ein Album von IGNITE genau das Richtige. Image ist ihnen egal. "Our Darkest Days" ist Album vier in der 12-jährigen Bandhistorie. Was die Jungens um Zoli Teglas hier abliefern ist 100% IGNITE. Der Mix aus Punk und melodischem Hardcore in Perfektion. Dieses Mal hatten sie Cameron Webb (Social Distortion, Motörhead) an den Reglern sitzen.

Wo IGNITE draufsteht ist auch wirklich immer IGNITE drin. Eine vielleicht oft benutzte Phrase, aber sie ist wahr. "Our Darkest Days" ist eine intelligente, erwachsene Version vom sozialkritisch, politisch melodischen Hardcore. Der Sound und vor allem die geniale Stimme von Teglas brennt weiterhin in den Gehörgängen und die Ohrwürmer, allen voran "Let it Burn" und "Bleeding", werden sich in den nächsten Wochen nicht so leicht aus den Ohren verabschieden. Aber trotz des ganzen IGNITE-Seins wird sich noch weiterentwickelt. "Live For Better Days" gleichzeitig ein wunderschönes Outro im Sinne von punkigen RUMBLESEAT und der einzige Song, der die fünf Minuten Grenze überschreitet. Ein Coversong "Sunday Bloody Sunday" darf natürlich auch nicht fehlen.

Alle Freunde von Punkrock und Hardcore können beruhigt in den Laden gehen und diese Platte herzen, so schön ist sie geworden. Das ist so eine Platte, die kaufst du dir. Die stellst du dir neben die anderen drei IGNITE Platten. Und immer wenn du sie brauchst, holst du sie aus dem Regal, packst sie in den Player und denkst: "Danke IGNITE, auf euch ist Verlass!"

8/10
	
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LO FI fnk - Boylife	
	
Moshi Moshi Music
Spielzeit: 36:22
VÖ: 25.08.2006

Schweden ist POP.
Schweden ist ROCK N' ROLL.
Ist Schweden auch ELEKTRO?

LO FI FNK kommen aus Schweden. Ziemlich oft das Land Schweden erwähnt. Warum? Darum!

Denn Schweden ist auch ELEKTRO.

Feststellung der ersten Tatsache: LO FI FNK machen eine Art Lo-Fi-Pop-Avantgarde-Indie-Elektro (...) der allerersten Güte irgendwo zwischen Kirmes, 90er Eurodance und rot-golden-funkelnden-Samstag-Tanz-Nightclub. So dass beim Hörer nicht nur der Kopf wippt. Sie laden uns ein auf eine Reise durch ihr elf Songs langes und junges "Boylife" im La Vida LoCash.

Die zwei blutjungen Lo-Fi-F(i)nk(en) namentlich Leo Drougge und August Hellsing kommen ursprünglich aus Malmö und haben nach einer 2002er EP dieses Debüt im eigenen Boylfe Studio in Stockholm aufgenommen.

Wichtig wäre es zu erwähnen, dass dieses kleine undergroundige UK MOSHI MOSHI RECORDS das Debüt veröffentlicht. BLOC PARTY und HOT CHIP wissen warum. Sie betraten die Startrampe von MOSHI MOSHI bevor V2 und EMI sie wegschnappten. Gute Aussichten, Jungs. Bling Bling!

Die Single "Change Channel" wurde letztes Jahr schon via Moshi Moshi im UK veröffentlicht und stellt sich auch als absolutes Highlight heraus."City", "Boylife" und "What's On Your Mind" trösten auch über schwächere Songs hinweg.

Wer HOT CHIP diesen Herbst sehen wird, sollte pünktlich kommen und nicht vergessen ein rosa Schleifchen ins Haar zu stecken. Denn als Vorband haben sie LO FI FNK im Gepäck. Ein ziemlich lohnendes Package.

Liebe Damen und Herren Repräsentaten von und zu Major Labels: "Ihr könnt hier problemlos zugreifen, wenn es noch nicht passiert ist."

8,5 von 10 Punkten!	

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(Lone) Wolf & Cub - May You Only See Sky	
	
HeWhoCorruptsInc.
VÖ: 18.04.2006
Spielzeit: 19:02

Es riecht nach borealen Nadelwäldern, hart arbeitenden Männern in schweißigen Holzfällerhemden und Hundekot am Stiefel. Der Soundtrack dazu besteht aus astreinem Metal, verfeinert mit einer Prise Hardcore. MTVIVA Massenhypes und Möchtegern-Poser sind mindestens tausende Kilometer entfernt. (LONE) WOLF & CAB sind die Reinkarnation vom "Back to the roots" Gedanken. Diesen Zug fahren sie souverän zwischen kräftigsten Metal Riffs, aggressiven Vocals und einer frickeligen Verspieltheit, die es im Metal gar allzu selten gibt. Aufgepasst.

(LONE) WOLF & CUB zur Hälfte aus LA MANTRA DE FHIQRIA entstanden, deren D.I.Y. Underground HC Ethik (YAPHET KOTTO, REVERSAL OF MAN, COMBATWOUNDEDVETERAN, MY LAI) auch auf "May You Only See Sky" wiederzufinden ist. Aus DAKOTA/DAKOTA stieß der andere Teil Band hinzu, die für die verspielten Instrumentalelemente sorgen. Beiläufig sei zu erwähnen, dass der nicht wölfische Rest der DAKOTA/DAKOTA Fraktion nun in einer Hippie Jam Band unterwegs ist. Lustig.

(LONE) WOLF & CUB schaffen es eine Art Kampfansage gegen die gesamten New School Metal Poser Gemeinde zu starten. Warum eigentlich nicht. Gute Idee. Kommt an.

Trotzdem wünscht man sich insgeheim, diese EP würde ein Paar Minuten länger dauern. Gute 19 Minuten reichen wirklich nicht aus. Also Jungs, mehr davon. Fans von BOTCH, oben genannten Bands und verspielten PANTERA sollten sofort dieses feine Stück ordern. Da führt aber wirklich kein Weg mehr vorbei.

Keine Wertung.

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Menfolk - Colossus	
	
Play/Rec
VÖ: 21.11.2005
Spielzeit: 34:27

Bis 1998 hießen sie Prune, waren zu dritt und machten Noise Rock. 1999 zeigten sie der peripheren Heimat Skaelskoer die eiskalte Schulter und zogen ins bunte und urbane Kopenhagen. Seitdem nennen Sie sich MENFOLK. In Kopenhagen wurden dann weitere Freunde mit ähnlichem Background um sich geschert. Den Rücken gestärkt werkeln nun alle gemeinsam im Künstlerkollektiv / Plattenfirma PlayRec. Soweit so gut. Seit 2000 sind MENFOLK ein Quartett in einer recht ungewöhnlichen Zusammensetzung: Schlagzeug + Gitarre/Gesang + Bass + Bass.

Die ersten beiden Releases, natürlich auf dem hauseigenen Label Play/Rec, waren 2001 ein 7" Split mit THE UNIT und 2004 ein 12" Split "We are enemies" mit den Labelmates BARRA HEAD.

MENFOLKs neuestes und erstes Full-Lengh Album "Colossus" verzaubert den Hörer knappe 35 Math-Corige Minuten. Das schicke Digipak mit der anmutigen Wildsau fällt ins Auge. Kein teures Artwork, keine gewagten Posen der Protagonisten - MENFOLK besinnen sich auf eine Wildsau. Wildschweinvorkommen in Dänemark sind nicht so bedeutend. Deswegen stellt sich zunächst die Frage: warum dieses Schwein?! (...)

Schwein beiseite, MENFOLK machen auch Musik. Ein Soundspektakel unterschiedlich gearteter Energieschübe, ein anspruchsvoller, fordernder Minimalismus und eine ausgesprochene Aggressivität gepaart mit Tempowechseln und unvorhersehbaren Breaks schaffen die besondere MENFOLK Atmosphäre. "Colossus" wächst stetig, braucht aber wirklich mehrere Durchgänge, um den Hörer in seinen Bann zu bekommen. Ist man einmal da angekommen, wo MENFOLK einen hingeleiten möchten, mag es einen auch so schnell nicht mehr loslassen. D.C. Posthardcore, hier vor allem die Unberechenbarkeit von Black Eyes, trifft auf eine aggressiv noisige Mischung und eine wunderbare Fugazi'eske Sperrigkeit. Band und Label unbedingt im Hinterkopf behalten.

Richtig gut.

8/10

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Matchbook Romance - Voices	
	
Epitaph Records
VÖ: 10.02.2006
Spielzeit: 61:34

Herzlich Willkommen bei der Fortsetzung "Wie versuche ich das perfekte moderne Emorock/core Album zu schreiben". Matchbook Romance aus dem beschaulich suburbanen Poughkeepsie, NY erhöhen die Nachdenklichkeit, zeigen sich verspielter, integrieren Piano Parts und Streicher Arrangements - von Eintönigkeit weit und breit nichts zu spüren. Die magische vier Minuten Grenze wird fast immer überschritten. Nur zwei Songs bilden eine Ausnahme. Die Attribute, die sie in den USA 2003 in der Hochphase des Screamo so richtig bekannt gemacht haben, drohten wegen fehlender Einzigartigkeit doch auf Dauer etwas langweilig zu werden.

Deswegen wagen Matchbook Romance, die bereits seit dem ersten Release Epitaph-Guru Brett Gurewitz im Nacken haben, mit diesem Album größere Schritte in Richtung düsteren Emorock. Bekannte poppige Ohrwürmer wie "My Eyes Burn" sucht man hier allerdings vergeblich. Wer eben dieses sucht, sollte dann besser mit dem Erstwerk "Stories and Alibis" oder "West for Wishing EP" anfangen oder sofort die komplette Discography von Taking Back Sunday und Motion City Soundtrack kaufen und verinnerlichen.

"Voices" ist dunkler und versucht gleichzeitig die vorprogrammierte Kollision mit bekannten Bands aus diesem Genre weitgehend zu verhindern, indem Tanzboden Füller wie die erste Singleauskopplung "Monsters" aus dem Hut gezaubert werden. Sie schaffen Songs wie "My Mannequin can Dance" oder "Fiction" die erst nach mehreren Durchgängen mit tollen Breaks auffallen und förmlich nach mehr schreien. "Say like you mean it" und "Portrait" bilden zusammen einen recht langweiligen einfallslosen Mittelpart, das sind Songs die auch schon von anderen Bands geschrieben wurden. "I wish you were here" als Outro passt prima zu den Kajal verschmierten Augen nach einem MR Konzert der weiblichen als auch männlichen Besucher.

Mit diesem Release verlassen sie eindeutig die lustige Kreuzfahrt auf dem US Emo/Screamo Clubschiff und tauschen dies mit einer eher unlustigen Kaffeerunde bei Schwiegermutters Beerdigung mit den Namensvettern My Chemical Romance ein. Problem hierbei, MCR waren zuerst da und haben schon große Stücke des Streuselkuchens schon aufgefuttert.

"Voices" ist ein würdiger Nachfolger von "Stories and Alibis" und lässt auf mehr hoffen. Matchbook Romance sind älter geworden, der Sound wirkt ehrlicher, eigener. Auf der Suche nach noch mehr Eigenständigkeit und auf der weiteren Reise durch Emocoreland wünsche ich viel Spaß. Ein Nachfolgewerk sollte die Frage nach der endgültigen Individualität schließlich beantworten.
Solide.

7/10 Punkten

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Oxford Collapse - Remember The Night Parties	
	
Sub Pop Records
Spielzeit: 40:57
VÖ: 10.10.2006

Es gibt gute Partys und Partys von denen man aus guten Gründen wegbleibt. An welche Partys sich die 3 Jungs von erinnern wollen klären sie auf vorliegendem Tonträger. Oxford Collapse kommen nicht aus Oxford, wie man im ersten Augenblick vielleicht fälschlicherweise vermuten mag. Nicht Mals aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Das beschauliche Brooklyn, New York nennen sie ihre Heimat. Was wir hier zu hören bekommen ist weniger New York, denn räumlich und musikalisch passen sie eher in den pazifischen Nordwesten oder doch eben, nach Oxford. "Remember The Night Parties" ist full length Nummer drei und gleichzeitig das Debüt auf Sub Pop Records.

Wer nun aber unbeschwerte, leicht melancholische Kost für den Melodie verwöhnten Freund des locker und fluffigen Indiepops erwartet, dürfte etwas verstört sein. Oxford Collapse sind eher eine Offenbarung für die Arty und nervös-breakige Version des Sub Pop Komplettisten. Schräge Rhythmuswechsel einmal hier ("Lady Lawyers"), acht Minuten Geschlängel dort ("Return of / Burno"). Dabei Dinosaur Jr's John Agnello an den Reglern. Vielversprechend.

Jetzt aber Tacheles. Der Opener "He'll Paint While We Play" hält die Euphorie zunächst gediegen zurück. Erst "Please Visit Your National Parks" darf das erste Highlight des Albums sein. Lässt auch erkennen, was die Band wirklich kann. Eine Art Surftrip durch die Oktaven zusammen mit Arty Farty Extravaganz Gejodel. Ehrlich gesagt, auf Dauer wird es dann doch wieder ziemlich anstrengend. "Loser City" geht gar in Richtung Pop Punk. Aber das soll nichts Schlechtes bedeuten. Green Day waren ja auch irgendwann mal gut. Also, bevor sie schlecht wurden. Bevor alle sie gut fanden. Ihr wisst Bescheid. "Molasses" integriert ein eigentlich nicht zu implementierendes und recht unakzeptiertes Holzinstrument. Wer hat denn bitte kein Blockflöten Trauma aus der musikalischen Früherziehung mit bis ins Erwachsenenalter genommen? Q And Not U zeigten vor ein Paar Jahren, dass es doch möglich ist. Oxford Collapse machen mit. Auch "In Your Volcono" mit allerhand "uuuhhuuu's" und "oooh's" hat Chance auf die Qualifikation zur Champions League.

Am Ende muss man zum Fazit kommen. Die Night Parties funktionieren am besten ab Mitte des Albums. Wie im richtigen Leben. Partys werden im Verlauf besser. Die Anwesenden voller. Die Bands besser. Die Warmlaufphase haben alle ganz gut überstanden. Trotzdem hat sie kaum jemand vermisst. Die Halbzeit und den Umschwung macht "Lady Lawyers". Es rettet die Band und die Laune, die nach "Return Of / Burno" fast verschwunden war.

Nervöser Post Punk aus Richtung The Embarrasment, Mission Of Burma und den Pixies. Dischord Nerds hören eine gewisse Hommage an The Nation Of Ulysses, wünschen sich vielleicht noch ein bisschen mehr Schrägheit von Q And Not U. Die fehlende Schrägheit wird ergänzt durch Artyness und Tanzbarkeit aus Richtung The Liars und Radio 4. Doch, ganz gut.

7/10

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On The Last Day - Meaning In The Static	
	
Victory Records
VÖ: 22.08.2006
Spielzeit: 43:29

Donnerwetter! Die ersten zehn Sekunden deuten ein wahres Gewitter an. Aber ab Sekunde 11 entpuppt sich dieses Trommelunwetter als ein weiteres Victory Release mit dem Schwerpunkt auf fiese Scheitel und Kajal verschmierte Augen.

Auf der Rückseite ihrer CD posieren die ONTHELASTDAY Jungs aus Seattle in feinster AFI, AIDEN, ATREYU Manier - um nur ein paar Bands mit "A" und verschmierten Augen zu nennen. Es gäbe sicher mehr. Viele mehr. Jetzt zur Musik: Einer singt (wie Nathan Gray von BOYSETSFIRE), einer schreit - das kennen wir doch und ON THE LAST DAY haben das sicher nicht erfunden. Klar, es ist hörbar, aber wo bleibt das Stückchen Eigenständigkeit? Nehmen wir mal an, man würde in den Plattenladen gehen und eben diese Art Musik suchen. Dann können es oben genannte Bands besser. Ein derart ausgelutschtes System. Fans von AFI, AIDEN, ATREYU und RISE AGAINST, die im Promosheet exklusiv angesprochen werden, sollten besser bei besagten Helden bleiben. Es sei denn, sie stehen auf Kopien. Auch der betonte DIY Spirit kommt an dieser Stelle etwas spanisch vor. Leicht widersprüchlich, denn Steve Carter (HIMSA, CRADLE OF FILTH, AIDEN) produzierte diese Platte, ebenso ihre Debüt EP.

Fakt ist: ONTHELASTDAY sind ein toller Act für die Warped Tour, Taste of Chaos Tour oder für das Cover des britischen Teenie Magazin "Kerrang!". Sorry liebes Promosheet, aber das hier sind wirklich Schafe in Wolfskleidung. Und nicht das angekündigte Gegenteil. Die altbekannten Riffs sind wirklich zu bekannt und auch die "Four Part Vocal Harmony" höre ich nicht. Außerdem erinnert der Song "The Rescue" Rifftechnisch zu sehr an KISS's "I was made for lovin' you". Haha.

5/10

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Piebald - Accidental Gentlemen	
	
Sideonedummy Records
Spielzeit: 42:15
VÖ: 02-02-07

Grease not Gas haben sich die 4 Piebald Jungs schon seit Jahren auf die Fahne geschrieben. Tanken sie ihren Bandvan nur mit altem Fett, dass sie sich aus Fast Food Kaschemmen holen. Nach Frontman Travis' Angaben zahlen sie so auf 100 Meilen maximal 4ct. Dank einer Diesel-Frittenfett-Hybrid Maschine. Mehr und mehr Bands (u.a. mewithoutYOU) steigen auf diese umweltfreundliche Idee um. Sehr löblich.

"Accidental Gentlemen" heißt das neueste Album der durchgeknallten DIY Truppe aus Boston um Obernerd Shettel. Tief verwurzelt im Hardcore haben sie sich im Laufe der Jahre zu einer catchy Indierock Band entwickelt. Das letzte offizielle und leicht enttäuschende Album "All Ears, All Eyes, All The Time" liegt knapp drei Jahre zurück. Travis lenkte den Bandbus voll getankt mit Vegetable Oil und einer Piebald untypischen Art in eine Einbahnstraße. Piebald, Pianos, langsame Parts und erwachsen werden passte damals einfach nicht ins Schema. Die "Mid-twenty depression or quarter life crisis..." scheint aber inzwischen überwunden.

Letztes Jahr wurde eine wunderbare DVD "Killa Bros and Killa Bees" veröffentlicht. Die Augen eines jeden Piebald Fans müssen geleuchtet haben. Viel Material von Konzerten der Europatour 2004, die natürlich auch durch Deutschland führte, wurde mit einer schrägen Bandstory verbunden. Obendrauf gab es noch eine exklusive B-Seiten CD, die "All Ears..." sofort vergessen machte. Die Pommesbuden-Auftank-Aktion des Bullis mit inbegriffen.

Neues Jahr, neues Album und es klingt so als hätten die vier wieder Spaß bei der Sache. Es werden wieder fette Hymnen serviert, druckvoll und herzallerliebst. Ein etwas dunklerer, zynischer Unterton als in der Vergangenheit zieht sich durch das Songwriting. Themen wie Mensch vs. Natur ("Nature Wins") und Gewalt auf der Straße ("Getting Mugged And Loving It") werden thematisiert. Aber die catchy Hooklines täuschen fast über diese hinweg. Piebald sind wieder die alten und das bedeutet weit entfernt sein, von ausgelutschten modernen "Emo Riffs" und schnöder Einfallslosigkeit, wie es heutzutage doch nur allzu sehr auf uns herunterprasselt. Die erste Single "A Friend Of Mine" lässt an straighte Piebald Hymnen aus der guten alten "We are the only friends we have" Zeit erinnern. "Don't Tell Me Nothing" knüpft nahtlos an. Kaum ein Song, ausgenommen die Frischluft Hymne "Roll On", knackt die 3:30 Grenze. "Shark Attack" entpuppt sich als heimliches Lieblingslied. Seinen persönlichen "Bike Hell Day" verarbeitete Shettel in einem Fahrrad-Song "Roll On". Das Fahrrad unabgeschlossen vor dem Postamt abzustellen erwies sich als eine sehr schlechte Idee. Trotzdem ist eine Pro-Fahrrad Hymne entstanden. Richtig so. Produziert wurde das Album von Alex Newport (At the Drive-In, The Mars Volta, Two Gallants). Und wie es sich für Piebald gehört: Analog.

Vegetable Oil und Fahrradfahren an die Macht. Jetzt erstmal eine Schale Fritten bunt.

8/10
	
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Partyline - Zombie Terrorist	
	
Retard Disco Records
Spielzeit: 19:42
VÖ: 13.10.2006

Attention Earthlings, Partyline Attacks!

Partyline sind drei bebrillte Riot Grrrls aus der US Hauptstadt. Allison Wolfe (Ex-Bratmobile), Angela Melkisethian und Crystal Bradley schießen scharf in Richtung Regierungsviertel. Eines mag sie aber von den meist bluternsten D.C. Kollegen unterscheiden - Partyline sind komplett bunt, abgedreht und durchgeknallt. Fans von Bikini Kill, Bratmobile, Thee 50s High Teens und Le Tigre werden ihre Freude haben! Das Label Retard Disco zeichnete sich in der Vergangenheit u.a. mit Veröffentlichungen von den 14 Year Old Girls aus. Eine nicht zu verachtende Nintendo Frickel Bastel Core Combo.

Jetzt allerdings viel Spass mit den durchgedrehten Obersympathinnen in lustigen Verkleidungen, die gerne auch mal mit verschmiertem Kunstblut auf dem fluffigen Bühnendress auftreten. Definitiv auch was für die Augen. Nicht nur deswegen: Brille auf, Mädels!

Denn: "Men don't make passes at girls who wear glasses"!

In einem Interview scherzte Wolfe über den Bandnamen. Es käme davon, dass sie einfach gerne Party machen und sich verdammt gerne irgendwo anstellen! Hat sie denn ganz vergessen, dass der zehnte Song auf ihrem Album "Partyline" ein Government Issue Cover ist? Okay, das mag zu weit hergeholt sein. Letztes Jahr tourten sie noch mit ihrer "Girls With Glasses EP" bewaffnet durch Europa dazu unbedingt die Ralph Nader Hymne Unsafe at any Speed anhören! Eine EP und schon liegt das bei DC Legende Don Zientara im Inner Ear Studio produzierte Debüt Full Length "Zombie Terrorist" auf dem Tisch. Co-Produzent war niemand geringeres als der geniale Ex-Q And Not U Frontie Chris Richards. Diese Namen gehen runter wie Öl.

Das Album Cover polarisiert sehr. Ein 1990s Trash Comic Zombie Monster attackiert die 3 schief grinsenden Frontsäue. Dominierend ist die Kombination aus einer hypnotisch gelb grünen Melange. Diese Farbgebung macht nach mehreren Blicken ganz schlimm Kopfweh.

Auf "Zombie Terrorist" rocken die Mädels in bester Riot Grrrl Manier durch 11 knackig-garagige Punkrock Knaller. Sehr politisch, sehr persönlich, sehr tanzbar, sehr feministisch und catchy. Es artet schließlich aus und endet in einer riesigen Punkrock Party. Die wunderbar rudimentären "No Romantic" und "Nuthaus" polterten bereits auf oben erwähnter EP. Der Titelsong "Zombie Terrorist" hat einen wahrlich sehr interessanten Hintergrund. Nachdem ein Teenager eine Science Fiction Geschichte über Zombie Terroristen schrieb, die sich die Schule zu Eigen machen, scheint das für die US Regierung Grund genug den Jungen von der Schule zu werfen und einer Disziplinarstrafe zu unterziehen. Willkommen im absurden Land of the Free.

Diese Party hier mag aber leider nicht Mals 20 Minuten andauern. Lange Gesichter? Nein, Repeat Button!!

7,5/10

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Samiam - Whatever's Got You Down	
	
Burning Heart Records
VÖ: 22.09.2006
Spielzeit: 42:36

Man möge ihnen einiges vorwerfen, den Zeitgenossen von Samiam, aber ein schlechtes Album haben sie wahrhaftig nicht abgeliefert. Beim Albumcover scheiden sich allerdings sofort die Geister. Ein Album von Charlie Lownoise und Mental Theo hätte in den glorreichen Eurodance Jahren nicht besser aussehen können. Dazu kommen allerlei Umstände des nicht endenden Line-Up-Wechsels vor allem an den Trommeln (Johnny Cruz) oder am Bass (Jeremy Bergo). Letzterer hatte sich als riesiger Fan Samiams einfach mal auf der Homepage der Band um diesen Job beworben. So einfach kann es gehen. Da er jeden Song kannte und den Samiam Sound verinnerlicht hatte, dauerte die Eingewöhnungsphase verständlicherweise nicht sehr lange.

Zunächst aufgelöst und doch wieder aufgestanden schlagen sie Anno 2006 zurück. Wider allen aber's aber's und aber's ... Samiam sind wieder da. Nachdem sie sich für einige Shows im letzten Jahr zurückgemeldet hatten, wird jetzt doppelt und dreifach mit Album und passender Tour durchs Land zurückgeschlagen. Mit den freundlichsten Grüßen aus Kalifornien. Hier ist Album Nummer sieben.

Sechs Jahre nach "Astray" und nach zahlreichen Fremdgehattacken von Sergej Loobkoff (Solea) geht die Samiam Saga weiter, aber einen Schritt zurück. Dieser Schritt zurück ist in diesem Falle nicht negativ behaftet, gehen sie diesen Schritt zurück in das eigene Selbst. Das Album ist rau, die dumpfe Produktion mag zunächst überraschen. Bitte nicht nach dem ersten Hören die Platte enttäuscht in die Ecke pfeffern. Schließlich überzeugt wird der Hörer durch Beebout's ehrliche Lyrics und einer Reibeisenstimme die in einigen Momenten sehr an Chuck Ragan erinnern mag. Loobkoff's melodische Einlagen verzücken ausserdem. Mit dieser Art werden sie sich vielleicht keine neuen Freunde machen. War das denn auch jemals deren Intention? Bedenkt man, dass Bands wie Green Day für Samiam damals die Shows eröffneten.

Im Oktober sind Samiam zusammen mit den Ex-Heiß-Wasser-Musikanten von The Draft auf Tour. Dort werden sie dann auch das sehr pralle Knallbonbon "Believer" und die wunderbaren Mitgröhl Hymnen "Storm Clouds", "Take Care" und "Bide My Time" endlich live vorstellen können.

Eine Frage bleibt zunächst im Raume stehen, ist der Kläffer und das Samiam Maskottchen Mr. Toast dieses Jahr wirklich von uns gegangen? Wenn ja, wer passt nun auf die Jungs auf? Mehr dazu im Herbst.

8 von 10 verdienten Punkten

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Silverstein - 18 Candles: The Early Years	
	
Victory Records
Spielzeit: 70:39
VÖ: 23.06.2006

Kanada.
Was assoziieren wir mit Kanada?! WEAKERTHANS!! Ahornblätter, Eishockey, freundliche Menschen, Mounties, Ahornsirup, den größeren Teil der Niagara Fälle (was die Amis jedoch nie zugeben würden), BILLY TALENT ... und ja, SILVERSTEIN.

Der Ontario-Fünfer re-released mit "18 Candles: The Early Years" die 2000er EP "Summer's Stellar Graze" und die 2002er EP "When The Shadows Beam" mischen dazu zwei tolle und brandneue Akustik Versionen von "My Heroine" und "Call It Karma", 3 live Songs ("Discovering The Waterfront" und "Defend You" im legendären 9:30 Club in Washington D.C. aufgenommen) und einen sehr ungewohnten, aber sau coolen Dance-Remix von "Smile In Your Sleep".

"Wish I Could Forget You" könnte auch auf einer PIEBALD Platte Anfang der 2000er Jahre zu finden sein, wäre das seltsame Gekreische nicht. "Bleeds No More" ein Mischung aus poppigen UNDEROATH und alten TAKING BACK SUNDAY. Die Akustik Versionen haben einen leichten BAYSIDE oder DASHBOARD CONFESSIONAL Touch, sind aber nicht ganz so schmonzettig.

Nach den beiden Erfolgsalben "When Broken Is Easily Fixed" und "Discovering The Waterfront" ist es tatsächlich sehr versöhnlich auch mal die alten Releases zu hören. Sie präsentieren ihre Wurzeln und die ihrer zahlreichen Fans. Gehen sie heute mit unsäglichen Bands wie FALL OUT BOY und HAWTHORNE HEIGHTS auf Tour haben sie 2000 noch teilweise, wenn man genau hinhört, early Emo inspirierte Songs gemacht.

Diese Platte hat wirklich die Chance euch den Sommer zu versüßen. Eine Platte für die Dauerrotation. Sie ist abwechslungsreich. Sie überrascht - der Dance Remix am Ende sorgt doch zunächst für erstarrte, lange Emo Fratzen. Die Live Granaten zeigen ihre Stärke auf der Bühne. Zusammengefasst, die Band ist besser als ihr Ruf. Für eine neue Platte sei ihnen auf den Weg zu geben, ihre Wurzeln nicht zu vergessen und nicht weiter auf dieser FALL OUT BOY Welle zu reiten. Die ist bald eh vorbei. 

Wer die Chance hat und nicht vom Altersdurchschnitt auf den Konzerten abgeschreckt ist, darf die Combo gerne mal live ansehen. Lohnt genauso wie diese Platte anzuhören. Gutes VICTORY RELEASE. Schöne Sommerplatte. Definitiv mehr als ein langweiliges Re-Release.

Keine Wertung.

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Saves The Day - Sound The Alarm	
	
Vagrant Records
Spielzeit: 35:13
VÖ: 13.04.2006

CD eingelegt. Los geht's mit: "Head for the Hills" - Reaktion: Hohoho ist das die neue Platte von MY CHEMICAL ROMANCE, die da versehentlich in die SAVES THE DAY Hülle gelangt ist? Nachdem dieser erste Schock durch mehrmaliges Überprüfen verdaut ist, stellt sich natürlich die Frage: "Woher kommt dieser Gedanke und warum macht es traurig?" Ende der 1990er Jahre wurden sie zeitweilig noch als "DER LIFETIME ERSATZ" abgefeiert. Die beiden ersten Alben "Can't slow down" (1998) und "Through being Cool" (1999) brachten auf jeden Fall allerhand Potenzial mit. Emopunking waren sie damals. Schön anzuhören.

Doch irgendwann kam der Bruch. SAVES THE DAY veröffentlichen 2001 mit "Stay What You Are" ihr bis dato ruhigstes und melancholischstes Album. Der Erfolg war definitiv auf ihrer Seite. Vergleiche zu WEEZER in Pinkerton Zeiten drängten sich auf. Die schnellen SAVES THE DAY hatten sich in poppigere Gewässer getraut, neue Ufer angesteuert. Sie haben überrascht, aber der Erfolg gab ihnen schließlich Recht. Aber 2003 veröffentlichten sie "In Reverie" ausgerechnet auf einem Major. Totale Enttäuschung. Power Pop braucht kein Mensch. Einmal DASHBOARD CONFESSIONAL ist bereits mehr als genug. Das war nichts. Der Schock saß tief. Von einigen Bands wünscht man sich nahezu, dass sie doch bitte mehr Ärsche treten würden. Als sie noch in einer Liga mit LIFETIME, PIEBALD, GET UP KIDS und Konsorten waren, da ging das.

Jetzt aber aufgewacht und zurück in die Gegenwart. SAVES THE DAY sind zurück beim Indie Label Vagrant. Ja da schau her?! War etwa der Ausflug zum Major doch nicht das erhoffte Erlebnis? Sie wollen schneller und düsterer sein, sind sie auch irgendwie. Nur noch die prägnante Stimme von Chris Conley erinnert an die alten SAVES THE DAY. Hits wie "All Star Me" findet ihr weiterhin auf den Klassikern. Wer die Band noch gar nicht kennt, sollte sich chronologisch durcharbeiten und dabei "In Reverie" schön im Regal lassen.

Zusammengefasst spiegelt dieses Album ganz gut die aktuelle amerikanische Hyper Hyper Emocore/Screamo/Myspace Sensations Entwicklung wieder. Es handelt sich heutzutage größtenteils um eine Fashion Szene, die sich über fiese Scheitel, die Anzahl der Piercings und die Inszenierung ihrer Myspace Seiten personalisiert. Die Musik ist zweitrangig geworden. Genauso wie SAVES THE DAY. Das Album klingt austauschbar. Prima zum Bügeln oder Wäsche aufhängen. Wer schöne Sommermusik für den Baggersee oder zum Grillen sucht, ist hier genau richtig. Wer den richtigen, guten, alten Emo hören will - roh, nicht fett produziert und ganz ohne Fashion soll bitte mal bei LIFETIME, CURRENT, JULIA oder CHRISTIE FRONT DRIVE anfangen.

6 von 10. Mehr ist nicht drin.

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The Blood Brothers - Young Machetes	
	
Wichita Recordings
Spielzeit: 50:55
VÖ: 17.11.2006

Ein kurzer und fesselnder Aufhänger ist die halbe Miete für den selbsternannten Musikjournalisten. Wird doch oft viel um den heißen Brei geschrieben. Verliert doch der Leser viel zu schnell an Interesse, wenn über unsinnige Fakten und Nicht-Fakten philosophiert wird. Also wird der Mittelteil geskipped und die Augen schwungvoll auf das Resümee und die Punktzahl geworfen. Manchmal vielleicht zu Recht. Es interessiert ja auch niemanden was der Schreiber zum Mittagessen hatte.

Was allerdings die Dame auf dem Albumcover von "Young Machetes" von den dauer-nervösen Blutsbrüdern aus Seattle zum Mittag hatte oder warum sie ihre Hände verzweifelt auf den Kopf stützt, wäre doch viel interessanter zu diskutieren. Der Machart nach könnte es das Werk eines gelangweilten Schülers oder Studenten sein. Das monatlich kostenlose Indiemagazin mit den 5 großen Buchstaben beim Laden um die Ecke als Trophäe geschnappt, mit in die Lehranstalt geschleppt und erst mal schön alle abgebildeten Personen mit Kuli angemalt. Hat jeder schon gemacht. Ist immer wieder ein großer Spaß. Und schon haben wir ein Albumcover. Fein. Sänger und Ober-Chipmunk Jordan Blilie kam auf diese Idee. Danke! Ziemlich unbunt für die Blood Brothers.

Frage: Was passiert wenn Guy Picciotto die Blood Brothers produziert?

Antwort: Nein, sie klingen weder nach Fugazi noch nach Rites of Spring. Das will ja auch niemand.

Es schafft aber eine angenehme Atmsphäre indem positive Schwingungen aus Burn Piano Island, Burn Zeiten in den feurigen Opener "Set Fire On The Face On Fire" gesteckt werden. Aber ist das dieser selbst vorgenommene Schritt nach vorn? Eher nicht, oder? Das einfach nur krank chaotisch shreddende "Nausea Shreds Your Head" findet im experimentellen "Street Wars/Exotic Foxholes" seinen Meister. Ein jazziges Plätschern im dunklen Walde. Dazu kommen mit "Spit Shine Your Black Clouds" und "Lift The Veil, Kiss The Tank" zwei großspurig zerstörende Dance Punk Kompositionen. Piano getragener, balladesker Leidgesang in "Camouflage, Camouflage" mit destruktivem BB-Happy End gegen Ende. "Giant Swan" schafft für drei Minuten ein komplettes Nick Cave Idyll, die jedoch selbstverständlich jäh zerstört wird. Die erste Single "Laser Life" könnte auch fast eine schmissige Tanznummer für Indiedissen Zappel Floors sein. Aber die BBs lassen sich nicht den Spaß nehmen die Nummer gegen Ende noch mal fein auseinander zu nehmen. Damit haben sie sich auch erfolgreich diesem Publikum entzogen.

Ein Schritt weiter, ein Schritt zurück. Einen wieder vor, Mathematisch bedeutet das folgendes:

Die Schnittmenge aus Burn Piano Island, Burn und Crimes + eine kranke Melange aus Indie/Dance Punk/Ballade/Jazz/Was auch immer = Young Machetes

Namedropping: Irgendwo zwischen Gang of Four, Dillinger Four, Transistor Transistor, Dismemberment Plan und den Chipmunks. Das sind die Blood Brothers anno zweitausendundsechs. Und das Kostüm steht ihnen gut, besser als Crimes. Wirklich.

Unhörbar für mindestens 99% der Weltbevölkerung, aber der Rest gib ihnen mindestens

8/10 Punkte für dieses kleine Meisterwerk.

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The New Story - Untold Stories	
	
Rude Records / Cargo
Spielzeit: 38:42
VÖ: 22.09.2006

The New Story wollen uns ihre "Untold Stories" erzählen. Also Neuigkeiten aus Italien?! Wunderbar! Warum auch nicht einfach mal Synonyme benutzen? Lustig. Italien zeichnet sich ja sonst eher für eine wirklich köstliche Küche aus. Außerdem mehr oder weniger für Eros Ramazotti, Eisdiele, Rotwein, Weltmeister und Eurodance. Allerdings hinkt Italien Punkrockmusikalisch dem europäischen Norden und Westen doch einige Jahre hinterher.

MTV Italien mitsamt TRL Possé hinter sich. Da kann finanziell wenig mehr schief gehen. Sponsorenverträge mit irgendwelchen Klamottenaustattern im Promosheet zu erwähnen ist mehr als abstoßend. Vielleicht bekommt man so die Style und Fashion Armee. Aber Leute, andere müssen für diese Hosen über 80 Euro hinblättern! Und noch euer Album kaufen... Dann doch lieber die Hose.

11 Songs auf der Platte. Einer klingt wie der andere. Der Möchtegern-Hit "Blind" ist keineswegs die Modern Rock (ohje, was für eine Schublade!) Ballade der Saison und, ja, Italien du sitzt wirklich komplett auf deinen Ohren.

Auf dem Cover sitzt ein Mädchen in Capri Hose auf einem besonders geschmacklosen, vomitgrünen Teppichboden und starrt gedankenlos in den Fernsehapparat. Die Pulle Bier in der einen und den Umsteller für eben dieses Gerät in der anderen Hand. Ziemliches Samstag 18:10 Uhr Feeling in Deutschland. Wirklich. Wie sie dabei grazil ihre Zehenspitzen formt, das macht sie dann doch eher zu einem Typ Capri Sonne. Trinktütchen nicht Bier ist hier die Devise! Wer hat sich bloß dieses schreckliche Cover ausgedacht? Ohne die Dame angreifen zu wollen, aber trotz Sehhilfe sitzt sie doch viel zu nah am Fernseher. Das ist nicht gut für die Augen. Den Rest für die Ohren gibt es dann von der Band persönlich. Danke nochmals.

Die angekündigten, mehrstimmigen Vocals sind da, aber nicht kräftig genug um auf der Herbst-Kirmes bei der wunderbaren Attraktion "Hau den Lukas" gegen die dort anwesende Dorfelite zu gewinnen. Trotz einer "riesigen" Fanbasis in Südeuropa und den musikalisch fast anspruchslosen Japanern hinter sich, werden sie bei meiner Spontan-Tombola leider nur einen der Trostpreise mit nach Hause nehmen dürfen. Mit ein paar Bubblegum Power Pop Punk Hymnen wie zum Beispiel dem Opener "Streetlights" ist einfach in der Sum41, The Ataris und Konsorten Liga kein Blumentopf mehr zu holen. Und wegen dieser Coverversion von Nathalie Imbruglia's "Torn" setze ich die Jungs 10 Strafrunden rückwärts in den Musikexpress. Auf dieser semilustigen Kirmesveranstaltung gehen die Italiener leider ziemlich leer aus. Vielleicht sollten sie ihre Bühne neben der Pizza Bude aufstellen. Dann hätte ich wenigstens noch einen Grund mir das anzusehen. Also wegen der Pizza, ist klar!

Am 24.11.06 gastieren die jungen Herren ausgerechnet in der Punkrock Hauptstadt Unna. Wer dennoch hingehen will und sich vom Gegenteil überzeugen will, bitteschön. Als Ausgleich spielen Waterdown. The New Story sind eine simple südeuropäische Donots Kopie. Jedem Land die eigenen Donots. Und neue Geschichten ... vielleicht dann beim zweiten Album endlich mal mitbringen.

4 von möglichen 10 Blumentöpfen für die Fensterbank!

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The Draft - In A Million Pieces	
	
Epitaph Records
No Idea Records
Spielzeit: 36:58
VÖ: 08.09.2006

Goodbye, Hot Water Music. Ein Nachruf.

Schönen Guten Tag die Herren von The Draft. Herzlich Willkommen.

Das suburbane Gainesville, Florida im Jahre 2006. Aus der großen NO IDEA RECORDS/Gainesville-Familie haben sich die Bartträger von HOT WATER MUSIC verabschiedet. Aber die dicken Kullertränchen dürften inzwischen getrocknet sein, denn erstens machen 3/4 HWM unter dem Pseudonym THE DRAFT Post-HWM-Musik und zweitens hat sich Ex-HWM Reibeisen und Vorzeigebart Chuck Ragan nicht nur ins Privatleben zurückgezogen. Ein Solo Akustik Album ist bereits angekündigt. Eins sollte sich ein jeder mit schwarzem Edding hinter die Ohren schreiben: Musikanten aus Gainesville schmeißen nicht so schnell ihr Holzfällerhemd in die Ecke. Krach machen, Whiskey trinken und den größten Teil des Lebens auf Tour verbringen ist eine Lebensphilosophie.

Trotzdem war die Trennung damals ein Schock und hat es uns nicht das Herz in mindestens eine Million Stücke zerrissen, als HWM dieses Jahr offiziell ihren Abschied bekannt gaben? Nach dem enttäuschenden Album "The New What Next" aber genau die richtige Entscheidung. Stellvertretend für jedes gebrochene Herz darf sich ein jeder "Wayfarer" eine Ecke aus dem Neo-Kirchenfenster-Mosaik-Mondreflektions-Gebilde (?) welches sich inmitten der Welle des Covers von "In A Millionen Pieces" befindet, abbrechen. Danke, ich nehme das orangefarbene oben rechts.

Natürlich wird es Fans von HWM geben, die THE DRAFT von vornherein hassen werden. Veränderung wird nicht akzeptiert, sie wollen die alte Konstellation zurück. Aber die richtig alten HWM haben sich bereits mit Album "Caution" und ihrem Wechsel vom Gainesville Aushängeschild NO IDEA zu Epitaph grundlegend verändert. Wer die alten HWM hören will, soll bitte weiterhin "No Division", "Finding The Rhythms", "Forever And Counting" und "Fuel For The Hate Game" hören. Aber wenn jemand eine Chance verdient, dann diese Jungs hier.

Dann wird es Leute geben, die nie was von besagten HWM gehört haben und THE DRAFT nur als ein neues Epitaph Release sehen und frei von jeglicher Befangenheit sind. Die vielleicht nachträglich beginnen die HWM Diskographie chronologisch aufzuarbeiten und die alten HWM als zu rau abstempeln. Jedem das Seine.

THE DRAFT sind das das HIER UND JETZT -

und HOT WATER MUSIC sind VERGANGENHEIT.

THE DRAFT sind, wie bereits festgestellt, 75% HWM mit Chris Wollard (Frontman/Gitarre), Jason Black (Spokesman/Bass) und George Rebelo (Drums). Dazu gibts einen neuen Mann an der Gitarre, Todd Rockhill (Ex-Discount). Einige haben ihn mit DISCOUNT auf HWM's 1999er Europatour im Vorprogramm gesehen. Die Jungs um Wollard wollten zwar zunächst zu dritt bleiben, aber sie stellten schnell fest, dass sie als Trio live nicht genug Krach machten. Hoffentlich macht der Todd seinem Namen "Rockhill" auf der Bühne alle Ehre. Wollard und Rebelo haben damals übrigens schon ohne Ragan zusammen beim HWM Sideprojekt THE BLACKTOP CADENCE gespielt. Die Platte "The Chemistry Of Changing Times" geht sehr in Richtung THE DRAFT und ist sehr zu Empfehlen!

Schon im Frühjahr 2005 machten sich Wollard, Black und Rebelo auf den Weg zu HWM Stammproduzent Brian McTernan und nahmen erste Demos zu "In A Million Pieces" auf. Damals war noch Brian Baker (Bad Religion, Dag Nasty and Minor Threat) an der Gitarre mit an Bord. Das Wahl fiel später allerdings auf Rockhill.

Garantierte Anspieltipps ist der straighte Hymnen Opener "New Eyes Open", die Lungenkrebshymne "Lo Zee Rose" mit sau melodischen und brennenden Gang Chorus Parts. Bei "Let It Go" gibt's durch ein Paar Tröten leichte Ska Elemente zu vermelden. Dazu kommt die unwiderstehlich Herz zerreißende, getragene Hymne "All We Can Count On". Definitiv eines der Highlights des Albums, wenn nicht sogar das Highlight. Die Zeile "Wake and find a road to fallow" erinnert leicht an die HWM Lebensweisheit "Live Your Heart And Never Fallow" aus "It's Hard To Know". Chris Wollard kann zwar immer noch nicht singen, aber das Songwriting ist aber eines der besten, was Chris jemals von sich gegeben hat.

Hier was für den Notizzettel der Plattensammelnerds: NO IDEA (sprich: das Vinyl wird wieder schön bunt!) bringt die 12" LP Version von "In A Million Pieces" in einer limitierten Erstauflage mit zusätzlicher Bonus 7" auf den Markt. Mit den Demos zu den Nicht-Album-Tracks "Devil In The Shade" und "Na Na Na" welche auch anderweitig nicht veröffentlicht werden. Allerdings auf Tour live vorgestellt werden sollen. Hierbei findet sich übrigens noch eine Reliquie aus den 2005er Demo Aufnahmen, denn Brian Baker spielt die Gitarrenparts bei "Devil In The Shade".

Im Oktober sind THE DRAFT zusammen mit den Cali-EmoPunk Helden SAMIAM auf Tour. Ein sehr lohnendes Paket. I

Auf der Gainesville Bärteskala eine glatte 8 von 10 erreichbaren Bärten.

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The 101 - Numbers	
	
Riptide Recordings
Spielzeit: 33:55
VÖ: 30.06.2006

Wer A sagt muss auch B sagen. Denn wer auch nur irgendwas über THE 101 schreiben oder erzählen möchte, der kommt an dem Stichwort CHRISTIE FRONT DRIVE nicht vorbei. THE 101 ist die Band nach CFD und ANTARTICA von Sänger und Chefdenker Eric Richter und "Numbers" dieses wunderbare Zweitwerk.

Elf Songs für den Sommer. Und nicht nur für diesen, auch für die nächsten 10 Jahre. Was Ben Balcomb, Jeremy Jones und Eric Richter hier abliefern ist eine wunderbare Unbeschwertheit. Losgelöst von Zwängen, abseits von jeglichen Hypes, Trends, Plagiaten und aktuellen Chartplatzierungen.

Das Album wurde Steve Revitte produziert, der unter anderem mit Größen wie den BEASTIE BOYS oder J. MASCIS zusammenarbeitet. Nachdem das 2004er Erstlingswerk "Green Street" von den Fans vergöttert wurde - war es nur noch eine Frage der Zeit, wann es endlich einen Nachfolger geben wird. Hier ist er. Nach der grünen Straße, haben wir es jetzt mit roten Zahlen zu tun. Eine Neuinterpretation der musikalischen Farbenlehre gepaart mit Pop-Perlen oberster Kategorie, die ihren Namen auch wirklich verdienen. Rote Zahlen ...

"My words are dead and her head's the same", Richters Unverwechselbare bittersüße Stimmung und der Drive der Songs, einfach nur wunderbar. Richtiger, originaler "Emo Pop" für Mid-Twenties und Thirty Somethings, die sich damals bereits von CHRISTIE FRONT DRIVE und Kollegen verzaubert lassen haben. "Last Chance" ist die beste moderne Fugazi-Pop-Interpretation seit Langem.

Die New Yorker müssen sich und ihren Fans nichts mehr beweisen. Dieses neue Album wächst sofort ans Herz und mit jedem Durchlauf. Ein Anwärter auf den Award für die meisten Repeats in meinem CD Player dieses Jahr. Die Tour zum passenden Album gibts im Juli. Mehr muss nicht gesagt werden. Doch eines noch: ..."and we're dancing, my words are dead".

9/10

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Tribute To Nothing - How Many Times Did We Live?	
	
Lockjaw Records
Spielzeit: 51:37
VÖ: 28.04.2006

ENDLICH!!!

Nach drei Jahren und unglaublich vielen Live Shows (zuletzt mit BOY SETS FIRE, HOT WATER MUSIC oder NO USE FOR A NAME) kommen TRIBUTE TO NOTHING endlich mit Album Nummer fünf zurück. Die heiß erwartete Neuauflage der wunderbaren TRIBUTE TO NOTHING Saga wird dieser Tage frisch in den Regalen des Plattenhändlers um die Ecke oder im Elektro-Großmarkt (argh!) des Vertrauens erhältlich sein.

Die drei Turner Boys und Gründungsväter des wunderbaren, britischen Punkrock Labels LOCKJAW RECORDS haben sich spätestens seit dem 2003er Release "Act without Words" zu einer wunderbaren Perle des intensiven, rauen und trotzdem melodischen Post Hardcores/Emopunk entwickelt. Zum einen lag es damals sicher an Neuzugang Kris, dessen grandioses Gitarrenspiel sich perfekt in den TTN Sound einfügte. Zum anderen aber auch an der Live-Erfahrung, die sie bereits in jungen Teenager Jahren zu sammeln begannen. Eine sehr lange Geschichte beginnend mit der Entdeckung als Top 40 Coverband durch einen EMI A&R Typen im zarten Alter von 12-14, Aufnahmen im BBC Studio und den bekannten Problemen mit den Major Labels an sich, die bekannten Höhen und Tiefen ihres musikalischem Schaffens, nahmen ihren Lauf.

Seitdem sich wunderbare, einzigartige und wegweisende Bands wie AT THE DRIVE-IN, HOT WATER MUSIC, FUGAZI oder BEAR vs. SHARK in die ewigen Jagdgründe verabschiedet haben oder andere, zwar nicht minder spannende, Leidenschaften ausleben und im tiefsten Inneren ein grausiges Gefühl hinterlassen haben, werden stetig neue Bands zu unrecht auf diesen Thron gesetzt. Neue Helden braucht die Schublade, die dieses schwere Erbe weiter tragen können. Sie werden händeringend gesucht. Sehr sogar.

WANTED: Bands die genug Potenzial haben, diese klaffende Wunde im verwöhnten PostHC/Punk Kosmos zu schließen. Weit weg von irgendwelchen künstlichen Inselhypes. Weit weg von Fake-ness und Kajalcore-Klischee. Ehrlicher, eigener Sound bittesehr!

TTN erfüllen diese sehnsüchtigen Wünsche auf ihre Art. Kurz zusammengefasst vereinen sie die verdammt noch mal genial verspielt schräge Art von ATDI, versehen mit den schönsten Stimmen seit AGAINST ME! oder HOT WATER MUSIC, gepusht mit einem ordentlichem DISCHORDigen Unterton, einer Prise Gainesville Punk und der Portion Eigenständigkeit, die heutzutage leider nicht mehr allzu groß geschrieben wird.

"How many times did we live?" fragen sie auf der neuen Platte. Es geht unter anderem um das Leben auf Tour, der monotone Tagesablauf hier - der Auftritt dort, die Beziehungen die verständlicherweise darunter leiden, Vertrauensmissbrauch. Sehr ehrliche Statements von einer immer noch sehr jungen, allerdings sehr erfahrenen Band. TTN beweisen einmal mehr, dass das eine das andere nicht automatisch ausschließen muss. Die erste Singleauskopplung und Anspieltipp Nummer eins "Something I Can Trust" ist eine mitreißende Hymne, die niemals langweilig wird. Ein Statement zum Leben hier und jetzt. "It's Not A Secret" und "Portraits Fall" reihen sich in die TTN-Hymnen Fraktion perfekt ein. "Name Of Distrust" und "Wearing Thin" könnte ebenso auf einem HWM Release zu finden sein. Klasse Outro bei "Breaking Your Fall". 12 Songs, kein Ausfall. Lange nicht gehabt.

Mehr als diesen 120%igen Kaufbefehl kann ich nicht mehr rausposaunen. Doch, schaut euch die jungen Herren auf der Headliner Tour durchs ganze Land an. Die Wiederentdecker von Intensität und Spielfreude are coming to your town.

Die CD Version kommt auf dem Berliner Indie DESTINY RECORDS raus. Das Vinyl veröffentlichen sie ungefähr zeitgleich, aber weiterhin zuhause auf LOCKJAW RECORDS. Für Mix und Mastering war Jason Livermore (GOOD RIDDANCE, THURSDAY, RISE AGAINST, ALKALINE TRIO) zuständig. Alles in allem eine sehr runde Sache.

Bleibt nur noch eine Frage: Woher kommen die Flammen im Artwork? Eine Hommage an HOT WATER MUSIC oder bloß ein Zufall? Diese und weitere Fragen werde ich Mitte Mai mit den Jungs persönlich klären.

9/10 !!!

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]]></description>
      <pubDate>Mon, 15 Oct 2007 06:03:50 -0700</pubDate>
      <guid>http://virb.com/yakyak/posts/text/272230</guid>
    </item>
    <item>
      <title>gesammelte werke der vergangenheit</title>
      <link>http://virb.com/yakyak/posts/text/272215</link>
      <description><![CDATA[Atreyu - A Death-Grip On Yesterday	
	
Victory Records
VÖ: 24.03.2006
Spielzeit: 32:55

Seit dem Release von "Suicide Notes and Butterfly Kisses" haben sich ATREYU, die Vorzeige-Polterer des Metalcore, nicht nennenswert weiterentwickelt. Trotzdem haben die jungen Herren aus Orange County weltweit eine riesige Fanschar umherlaufen, die sie mit "The Curse" überraschenderweise nicht enttäuschten. Das berühmt berüchtigte zweite Album war im Vergleich zum Vorgänger eher schwach. Ein Abziehbild von Album eins, mehr nicht. Das schien aber niemanden soweit zu stören, denn es verkaufte sich goldig in Amiland.

ATREYU sind aus dem Schönheitsschlaf aufgewacht und veröffentlichen just Album Nummer drei "A Death Grip On Yesterday". Die Maschinerie läuft, das Album wird heiß erwartet und es wird massig gehypt und gelobt werden. Treu nach dem bekannten Prinzip: ATREYU legen vor, Metal-Emo-wasweißich-Core legt nach, lässt sich ein Trend für die grobe Richtung des immer noch aufstrebenden, täglich neue Sub-Genres eingliedernden, Schubladen-Cores berechnen.

Doch beginnen wir zunächst bei den Schwachpunkten. 9 Songs, in knapp 33 Minuten. Das ist wenig. Sogar sehr wenig. Gerade eingestimmt, ist auch schon alles vorbei. Man möge der Band keineswegs Ideenlosigkeit vorwerfen, denn das Album wird die hungrigen Münder der jungen Fangemeinde stopfen. "Her Portrait in Black", welches sie zum Kinofilm Underworld:Evolution beisteuerten, wurde auch dezent weggelassen. Schade.

Ja, es gibt sie noch, die altbekannten Metalcore-Bretter, die den Freitagabend in der Alternative/Metalcore/HC/Emo-Disko versüßen werden. Der Opener "Creature" poltert sich sofort ins Herz. Geschrei, gerne auch zweistimmig, Sing-a-longs, sehr metallische Parts gepaart mit einem Hang zu Überhymnen und einem Gespür für Melodien für Millionen wird hier in Richtung Perfektion ausgelebt. Mit "The Theft" werden gar ruhige, balladesk anmutende Ufer angesteuert. Eine Hymne vor dem Herrn! Der hier vielleicht kurzfristig eingelullte Hörer wird zur inoffiziellen Aufsteh-Hymne "We Stand Up" wieder ordentlich durchgeschaukelt. Das Video zum Ohrwurm "Ex's and Ohs" darf bereits bestaunt werden. Geschickt eingefädelt, Freunde. Das richtige Album zur richtigen Zeit.


8/10


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The Black Heart Procession - The Spell	
	
Touch and Go Records
Spielzeit: 45:15
VÖ: 12.05.2006

Das Buch THE BLACK HEART PROCESSION, Kapitel fünf, Absatz The Spell wird aufgeschlagen. Ein sanfter, aber kalter Windstoß lässt dich zunächst eine Minute innehalten. Piano, Schlagzeug und Violine umsäuseln deine Gedanken und schon bist du gefangen in der Welt von The Spell. Weit abseits von allen diesen Gedanken, ist inzwischen der Alltag. Pall Jenkins Leidgesang schlängelt sich durch die dunklen Gassen deiner Gehörgänge. "The Spell" weiß bereits ab Minute eins zu verzaubern. Der Song "The Waiter" ist bereits in der fünften Abhandlung dabei. Besonders hier wird das Thema der unerwiderten Liebe ausgelebt und gelitten. Auf die unerwiderte Liebe, Dunkelheit trifft weiter noch die politische Unzufriedenheit. Vor allem "Tangled" gefällt hier. Nicht so düster geht es in "Return to Burn" zu.

Mit diesem Album wird Dunkelheit von TBHP definiert, es werden alle erdenklichen Formen von Depressionen durchlebt. Aber immer nur soweit wie du sie an dich selbst heranlässt. Sie nutzen einerseits die Dunkelheit als Beschützer, andererseits machen sie dir Angst. Im Gegensatz zu den ersten drei Alben mit den wahnsinnig einfallsreichen Titeln I, II, III trägt nur das Vorgängeralbum "Amore del Tropico" bereits Bösartigkeiten im Titel. 1997 aus der Band THREE MILE PILOT entwickelt, bilden Sänger Pall Jenkins und Toby Nathaniel (Piano, Komponist) den harten Kern der Band. Ergänzt werden sie durch Joe Plummer von MODEST MOUSE an den Trommeln, Jimmy LaValle von THE ALBUM LEAF am Bass. Matt Resovich kümmert sich um die Streichinstrumente. War "Amore del Tropico" noch eine abgeschlossene Episode der im Anschluss eine DVD folgte, so darf beim neuen Album nicht mehr damit gerechnet werden. Jenkins und Nathaniel betonen, dass das die Band von innen heraus zerstören würde. Schade. Die DVD "The Tropics of Love" ist wirklich klasse geworden.

Verständlicherweise haben die Jungens inzwischen auf der ganzen Welt ein treues Publikum gefunden. In Deutschland sind sie weitgehend unbekannt. Wie so oft kann man versuchen diesen Geheimtipp auf die Sprünge zu helfen. Mehr nicht. Wer sich von TBHP verzaubern lassen will, sollte nicht nur "The Spell" anhören. Auch die Vorgängeralben sind nicht zu verachten. Wer den ultimativen Soundtrack zur nächtlichen Wanderung durch die dunkelsten Gassen der Stadt sucht, Menschen die gerne mit knarzenden Holzbooten auf nächtlichen Weihern herumlungern oder die einfach in die wunderbare Welt der Dunkelheit von TBHP entführt werden wollen, sei dieses Album ans Herz gelegt. Eine Nick Cave-ige Stimmung wie im bekannten Video zu "Where the wild roses grow" beschreibt dieses Album sehr passend. Aber die Gedanken sind immer noch Dein. Lass dich von Pall Jenkins an die Hand nehmen und lass dir die Tiefe der Abgründe zeigen. Ob du dich fallen lassen willst, entscheidest immer noch du selbst. Für Freunde von Leonard Cohen, bereits genannten Nick Cave, düsteren Calexico, Arab Strap und irgendwie auch David Lynch.

7,5/10
	
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Bullet Union - Ruin's Domino	
	
Jealous Records
VÖ: 13.04.06
Spielzeit: 32:24

Okay. Luftholen ... Willkommen in Washington D.C. möchte ich sagen - Good Afternoon London muss hier allerdings gewünscht werden. Und verdammt noch mal - ohne unnötig in Großstadtghettoslang zu verfallen - Leute, mit diesem Album kann man wirklich ab Minute eins verdammt down sein!

Zuviel versprochen? Niemals! BULLET UNION - Kennt die eigentlich wer? Nein?! Jealous Records?! Auch keiner!? Doch, ein paar dahinten in der Ecke wissen wovon ich spreche. Was ich nämlich hier aus dem Briefkasten fischen durfte, haut mich alte Dischord Sau doch tatsächlich noch aus dem dunkelblauen Lederschreibtischsessel.

Ein kleiner Ausflug in die 1980er Jahre muss an dieser Stelle zu verzeihen sein. Stellt euch vor, Guy Picciotto (die Stimme, die Stimme, das manische) hätte back in the days nach RITES OF SPRING und vor FUGAZI mit Menschen von HOOVER, BLACK EYES, Q AND NOT U, DRIVE LIKE JEHU, MILLIONAIRE und SONIC YOUTH unter Produktion von Herrn Mackaye persönlich eine kurzfristige Supergroup geschaffen um BULLET UNION spontan ein perfektes Vorbild zu liefern. So klingt das. Und es liegt nicht nur an den alten Geräten, die hier zum Einsatz kamen. Nostalgiegefühle Galore und alles spontan erfunden.

Zurück in der Realität begrüßen die 4 Menschen von BULLET UNION den Hörer in herrlich schräger Manier. Ein Mix aus himmlischen Breaks, wunderbaren Dissonanzen und frickeligen Instrumental Parts... Post Hardcore nennt man das. Und alles wirklich und tatsächlich auf diesem ersten Full Length der Briten. Eine 7" gabs bereits vorab "Stay Indie Don't Be A Hater". Handerlesene Gigs mit LUNGFISH, BLACK EYES, Q AND NOT U und THIS AIN'T VEGAS gabs auch. Tracktitel, die wegen ihrer Tollheit sehr umhauen: "Yakyakyak You're Fired!", "Stay Indie Don't Be A Hater" und "I Don't Like Who You're Hanging Out With". Was ist letzt genannter bitte für ein verdammt geiler Abschluss - Getrommel und Gewuschel bis den Tränen kommen - vor Freude verständlicherweise. Hier geht hoffentlich allen das Herz auf. Und an keiner Stelle wird vergessen, wie vertrackt und verdudelt man sein will.

Wenn diese Band eine Badewanne wäre, würde ich bis zur vollkommenen Verschrumpelung darin liegen bleiben, aus Angst irgendwas zu verpassen. Überraschung des Jahres 2006 so far für Menschen mit einem musikalischen Hang nach verspielter Musik aus der US Hauptstadt, die ironischerweise gar nicht wirklich von dort kommt. 100%iger Kaufbefehl an alle die sich von mindestens einer oben genannten Band beflügeln lassen.

Schnell auf das 9 Punkte Podest hiermit! Seid gespannt was von Bullet Union in naher Zukunft noch zu erwarten ist. Schallplatte ist angekündigt, ebenso kleine Tour im April 2006.

Ausatmen!

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Capdown - Wind Up Toys	
	
Fierce Panda Records
Spielzeit: 39:18
VÖ: 23.02.07

Milton Keynes. Eine Planstadt aus den 1960er Jahren. Erinnerungen an den Geographieunterricht in der Schule drängen sich auf. Wer den Dierke Weltatlas noch in einer alten Auflage zu Hause liegen hat, kann jetzt gerne bei Bedarf die stadtgeographischen Besonderheiten austesten. Sie wurde angelegt, um das Bevölkerungswachstum in der britischen Hauptstadt zu stoppen. MK, wie sie bevorzugt bezeichnet wird, wurde unter modernen und funktionalen Gesichtspunkten geplant und komplett neu erbaut. Wusstet ihr, dass z.B. Wolfsburg, Eisenhüttenstadt und Bielefeld-Sennestadt auch solche sog. "New Towns" sind? Dann habt ihr was gelernt. yakyak goes Stadtgeographische Spezialbildung.

So genug Geographen Nerdkram, es geht hier schließlich um Musik. Milton Keynes ist gleichzeitig die Heimat von den Ska Punkern Capdown, was so viel bedeutet für "Capitalist Downfall". In England eine Institution. In Deutschland zu unrecht missachtet. Denn 2006 spielten sie die Lock Up Stage beim Reading Festival und hatten dort die größte Crowd, die jemals an einem Nachmittag gezählt wurde. Das spricht für vor allem für fünf Jungs aus MK, da diese Bühne immer sehr hochkarätig (Against Me!, The Bled, Flogging Molly, Boysetsfire, Rise Against, Thursday, Hundred Reasons, Millencolin, Anti Flag um nur einige wenige zu nennen) besetzt ist.

Zurück in die Gegenwart. "Wind Up Toys" heißt das neue Album. Die Ska Freunde werden ein wenig erschreckt sein, denn was dieses Album in erster Linie auszeichnet, ist der eher dezente Einsatz der Tröten. Der Opener "Truly Dead" ist eine schnodderige Punk Hymne. Man spürt Flow, Spielfreude und sie demonstrieren hiermit schon, dass sie zurecht seit einigen Jahren bei dem wunderbaren Label "Fierce Panda" (Art Brut, Death Cab For Cutie, iLIKETRAINS ...) unter Vertrag sind.

Eine ebenso wunderbare Idee war es auch Larry Hibbitt (Gitarre, Gesang, Produzent von Hundred Reasons) das Album produzieren zu lassen. Was er bereits im HR Interview im letzten Mai ankündigte. Es klingt deutlich frischer, deutlich rockiger als der Vorgänger. Das manische "Trash Tuesday" wird in knapp einer Minute hingerotzt. Die freshen Ska Blasts "Blood, Sweat and Fears" und "No Matter What" sind zwei ganz klassische und sau tanzbare Capdown Songs. Viel wütender wird im Titeltrack "Wind Up Toys" und in "Terms & Conditions Apply" gepoltert. "Strictly Business" erinnert gar an Mid 90s Schwedenpunk.

In knapp 40 Minuten kein Totalausfall zu vermelden. Was Capdown hier abliefern ist ein straight rockendes, politisches Punkalbum mit Jake's prägnanter Stimme und einigen Relikten aus der Ska Vergangenheit. Nun bleibt zu hoffen, dass sie baldigst mal ihre Insel verlassen, um auch uns von ihrer Livequalität zu überzeugen.

Fans von Lightyear, Monster, A, Reel Big Fish, Less Than Jake sollten unbedingt zuschlagen.

7/10

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Channels - Waiting For The Next World To End	
	
Dischord Records
Spielzeit: 42:32
VÖ 15.09.2006

"It's tricky to relax / When bracing for impact / Call it your Patriot Act / The panic room's in back / With victory on tap / Show 'em your Patriot Act." (To The New Mandarins)

Der Channel zwischen England und Frankreich ist an der kürzesten Stelle nur 33 km lang. Jegliche Art und Weisen diesen zu überqueren oder unterqueren ist unangenehm. Sei es der beklemmend stickige Eurotunnel oder die schaukelnde Fähre, die meist dafür sorgt, dass das hervorragende "English Breakfast" oder der matschige Croissant mit Marmelade gleich an Ort und Stelle gelassen wird. Da steigen wir doch lieber an Bord des Ex-Burning Airlines Chef J. Robbins und tanken das Flugzeug mit Darren Zentek von Kerosene 454 auf.

Die Reise ist unbeschwert und geht auch nicht mehr nach England, sondern ins wunderbar herbstliche Washington D.C. Was hier brennt ist nicht das Flugzeug, sondern die Vorfreude auf ein neues Dischord Release. Das einhunderteinundfünfzigste, genau genommen. Und zugegeben, bei den 150 Vorgängern ist kein wirklicher Ausfall zu vermelden. Große Hoffnungen und Erwartungen an Herrn Ex-Jawbox Robbins. Der zusammen mit seiner Frau, Janet Morgan am rumpelnden Bass, und Darren Zentek an den verspielten Drums, eine kleine DC Community-Veteranen Band geschaffen hat. Und was das für ein starker Zusammenschluss ist, proklamiert Robbins in "Chivaree" - "Kill all the copyrights and loosen my tongue/ I love my friends and all my friends are in love"

Vor zehn Jahren wäre eine Band wie Channels sicher nicht ganz aus dem Schatten der großen Brüder von Fugazi herausgetreten. Alte Bekannte wie Q And Not U oder eben Fugazi musizieren aber nicht mehr zusammen. Ian Mackaye, zum Beispiel, vergnügt sich mit Amy Farina bei The Evens. Joe Lally macht ein basslastiges Soloalbum. Dissonante Riffs sind gar nicht 2006. Dazu diese bissigen, aber melodischen Lyrics. Mit der Bush Administration wird direkt im Opener "To The New Mandarins" abgerechnet "pranking the homeland hotline, threat level yellow sunshine". Gefolgt von einem der wirklichen Highlights, dem wunderbar melodiegetragenen und sehr Jawbox-igen "Lucky Lamb". Die Channels sind zeitlos und faszinieren den Hörer mit ihrem unaufdringlichen Charme.

Willkommen in der Warteschleife. Warten wir zusammen mit den Channels auf das nächste Ende der Welt. Lang kann es nicht mehr dauern. Mit dieser Band lohnt sich das Warten allemal. Dissonant, nicht ganz so verbissen, aber dischordig und melodisch. So darf die Welt untergehen! Ein kleines Meisterwerk für Freude des ehrlichen D.C. Post Hardcore.

8 von 10 Punkten.
	
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Convict - The Passion Flow	

I Scream Records
VÖ: 24.03.2006
Spielzeit: 32:55

Altbekannte Punkrockriffs, HeyHeyHo's hier, Singalongs im Poppunkgewand dort, da freu ich mich und frage insgeheim: "Haben die guten alten Ibbtown Heroes, die DONOTS, ein neues Album gemacht??!" Nein, weit gefehlt.

Weg mit dem Humor, auf zu ein wenig mehr Ernsthaftigkeit.

CONVICT aus dem Hause I Scream, das sich sonst eher mit Benelux'schem Hardcore Geboller/Geballer auszeichnet, q-tippen das allzu verwöhnte Ohr mit recht langweiligen PopPunk Schmonzetten über die Liebe, die Freundin und wasauchimmerEMOtexten. Das hatten wir doch alles schon mal. Zunächst freut sich das Ohr noch zu zirka 65%, wenn es den Up Tempomatigen Opener "Rise Up" hören darf. Allerdings schraubt es schon beim folgenden Geseier zu "Tongue Tongue Blister" oder "Shining Star" die Geseieraufnahmekapazität auf ein Minimum zurück, so dass die Songs nicht mal mehr im Kopf ankommen. In andere Teile des Körpers mal gar nicht. Auch kleine, traurige Teeniepoppunker Herzen werden hiermit nicht zu brechen sein. Der Mittelpart "Nail my Soul to your feet" überrascht im Refrain mit semigrässlichen Frauengesang im Stile von übel riechenden und immerzu auf Viva laufenden Gothik Bands. Jetzt haben sich schlussendlich die Fußnägel nach oben geklappt.

Vorgängeralbum war erstaunlicherweise auf dem britischen Indie Riesen V2. Ist fantastisch von der Fangemeinde aufgenommen worden und tummelte sich in den "sehr ernst zu nehmenden" belgischen Charts wahrscheinlich irgendwo zwischen Helmut Lotti und diesem sehr erfolgreichen und aufregenden schweinerndem Pendant zu SchniSchnaSchnappi.

Gerechtigkeitssinn hin oder her. Man sollte wirklich versuchen jedem Album gleich viel Aufmerksamkeit zu schenken. Viele mögen mit der Zeit wachsen, zeigen Momente auf, die überraschen. Leider kann auch eben gegenteiliges geschehen. Die Songs sind einfach durch die Bank austauschbar. Die Riffs gab es schon so oft zu hören, dass man sich quasi gezwungen sieht im Plattenladen nebenan bessere Beispiele für dieses Genre kaufen zu müssen, um wieder eins mit dieser Schublade zu werden. Die Jungens brauchen einfach mehr Drive. Die guten alten BEATSTEAKS werden mit dem "Living Targets" Dauerburner "Let me In" gecovert. Eine kleine Huldigung am Rande, die nicht wirklich Freunde findet, denn wer die richtigen Beatsteaks hören will, sollte doch bitte weiterhin die Originale aus Berlin hören.

Leider nur 4/10 Punkten. Mehr ist da nicht rauszuholen.

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Cortez - Initial	
	
Radar Swarm Records
VÖ: 10/2005
Spielzeit: 49:52

So, dann mache ich mal die Noisecore und Post-Hardcore / Metalcore Schubladen auf und lege Cortez aus der Schweiz irgendwo genau dazwischen. Aber nicht einfach so, ohne eine kleine Lobeshymne auf sie zu verfassen. Denn das hier lässt sich nicht ganz einfach aus der Hand legen. Gar einordnen. Die drei jungen Herren treten in einer etwas unüblichen Kombination auf: Schlagzeug, Gitarre, Stimme. Es klingt definitiv nach mehr. Aber nein - kein Bass dabei. Fehlt aber keineswegs. Gekreischt wird auf Französisch. Getourt wurde bisher unter anderem mit DILLINGER ESCAPE PLAN, ISIS, UNSANE und BURST.

Die Reise ins dunkle, schwere und intensive startet mit einem siebzehn-sekündigen (!) Opener "Prompt". Dieser macht seinem Namen alle Ehre. Auch "Mine de Rien" bleibt tief im Metalcore verankert. Das kurze Interlude "Neant" leitet dann zur Überraschung über. Das 10 minütige "L'enjeu" stellt sich als wahres Schätzchen heraus. Einmal geöffnet sehen wir uns mit einer noisigen Soundwand konfrontiert. Es wirkt atmosphärisch, quälend. Als wären die japanischen ENVY in die Schweiz gereist, um das Trio zu unterstützen. Es wird nicht einfach zerstört, CORTEZ leiden authentisch, episch. Es wird eine unglaubliche Energie geladene Atmosphäre geschaffen, die einen nie wieder loslassen will. Der Einsatz von Bläserparts in "Marasme" unterstreicht den Mittelpart. Bevor wieder mit "i.M.T.v." in bekannte Metalcore lastige Dimensionen abgedriftet wird. Alles ist vorhanden: Atmosphäre, Laut/Leise Parts, Gedudel, Wand, Geballer und vor allem Abwechslung - alles da. Ein richtiges Juwel. Wächst mit jedem Durchlauf. CD Version kommt im Deluxe Digipack mit 16 seitigem Booklet.

Das Französische Label Radar Swarm wird gerne als europäisches Pendant zu Hydrahead Records beschrieben. Fans von KNUT, BOTCH, CULT OF LUNA aber auch von ISIS, MOGWAI und ENVY sollten hier zuschlagen.

9/10

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dasOath - Mini LP	
	
Dim Mak Records
Spielzeit: 20:02
VÖ: 26.05.2006

DasOath, ein sehr komischer Name. Das Quartett um Schreihals Mark McCoy stammt zur Hälfte aus New York City zur anderen Hälfte aus unserem orange gefärbten Nachbarland, den Niederlanden. In meinen Händen halte ich die "Mini LP" von deren Booklet ich sehr angetan bin. Verpackungs- und Ideenminimalismus kann ihnen vorgeworfen werden. Aber das ist ja Kunst. Das versteht nicht jeder. Fans von dasOath aber auf jeden Fall. Spontane Freude über das relativ dicke Booklet endet bei einigen vielleicht in unendlicher Trauer. Gar 21x strahlt uns diese hübsche, verwelkte Blumenkomposition an. Die Pflanzen haben definitiv schon bessere Tage und vor allem saubereres Wasser gesehen. Auf jeden Fall sind wir jetzt alle gewarnt. Trotz der Niederländer an Bord - einen grünen Daumen, den haben sie nicht.

Die neun Songs pendeln zwischen der teilweisen Unhörbarkeit von THE LOCUST, astreinem Hardcore, sehr krassen Noise-Wänden und den wunderbaren DILLINGER ESCAPE PLAN. Die Intensität lässt sich ausschließlich am Stück nachvollziehen. Definitiv nichts für die zart gestrickten Gemüter unter den DIM MAK Komplettisten. Denn sonst fällt das Label mit Entdeckungen von großartigen, oft aber auch im nachhinein sehr gehypten Bands (THE KILLS, BLOC PARTY, PRETTY GIRLS MAKE GRAVES) auf. Da bilden dasOath eine sehr angenehme Ausnahme. Seit 2000 spalten sie durch ihre Kompromisslosigkeit die Szene. Sie brachten 2000 ihre erste Single via Youth Attack, Gloom Records und Coalition Records raus. Und wer jetzt noch denkt, die New Yorker und Niederländer könnten sich nicht arrangieren, liegt falsch. Die USA und Europa wurden bereits ausreichend getourt und das Gewitter wird so schnell nicht vorbei sein. Aufgepasst und eingekauft!

7/10

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Enter Shikari - Take To The Skies	
	
Pias Recordings / Ambush Reality / Rough Trade
Spielzeit: 52:43
VÖ: 16.03.2007

Von  den Jägern ("Shikari") zu den Gejagten.

Enter Shikari so: "Shit!"
Alle Mädels so: "Kreisch!"

(frei zitiert aus dem Opener "Enter Shikari")

Anything can happen in the next half hour, warnen sie direkt zu Beginn. Da sind wir aber alle mal ganz doll gespannt und hören den vier Rabauken aus dem suburbanen St. Albans nördlich der Hype Hauptstadt London ganz genau zu. Ist es vielleicht doch nur zu heiß gekochter Einheitsbrei? Hat die Tour mit den kanadischen Ober-Schreihälsen von Billy Talent ihr Übriges getan? Kann sein. Und was Myspace alles so anrichten kann, wissen wir spätestens seit Panic! At The Disco und den Arctic Monkeys.

Mütter der Tokio Hotel Generation aufgepasst. Hier sind vier neue Kandidaten. Enter Shikari entern sich selbst den Weg in Zimmer und Herzen, wo noch vor einigen Jahren alles Ponyhof und Rosa war. Ja! Bei ihrem Streifzug durch sämtliche Genres der 1990er Jahre bedienen sich Enter Shikari bei Eurodance und Trance, die wir doch noch ganz gut von Blank & Jones und Scooter kennen. Das trifft den Nerv der Generation. Jetzt warte ich nur noch auf die 2unlimited Reunion. Was die No Angels können... ich schweife ab.

Enter Shikari lassen eine ganz neue Betrachtungsweise des Begriffs "Brithype" zu, der ein ganz neues Beuteschema zu verfolgen scheint: Weder "meine Band klingt britischer als deine Band" noch das ausgelutschte Emocore/Metalcore Klischee wird zu sehr ausgereizt. Sie haben Momente, da möchte man ihnen an die Gurgel gehen, dieses Geröchel in "OK, time for plan b" ist doch ein Scherz, oder? Es gibt aber auch Momente, vor allem die Handclaps in "Sorry, you're not a winner", da möchte man sie einfach nur in den Arm nehmen und lieb haben. Am besten adoptieren. Einkaufen gehen wie Angelina Jolie in den unterentwickelten Länden der Welt. Lange nicht mehr so geschmunzelt und auch mit der Stirn gerunzelt. Alles gleichzeitig.

Doublebass und Röcheln in "OK, time for plan b", Groupshouts und Mädelsgekreische in "Enter Shikari" und der Mitklatsch HIT für die Alternative Disko "Sorry, you're not a winner". "Labyrinth" ist eine wunderbare NintendoCore Hymne und zuckersüßer Emo wird in "Jonny Sniper" geraspelt. Sie breaken Hearts, keine Beats und Lines. Netto 11 Songs + 6 Technodudel Parts = 17 Tracks Brutto.

Windmilltanzen in der Dorfdisko? Enter Shikari geben endlich mal die Gelegenheit. Trotz aller Kritik: Endlich mal eine Band aus der Metalcore/Hardcore Ecke, die nicht diese unendlich ausgelatschten Pfade mitlaufen und nicht wie jedes Release von "Der Freund meiner Schwester ist der Nachbar vom Atreyu Gitarristen" Ami-Bands klingen.

Enter Shikari wollen leider etwas zuviel aus dieser Platte holen, die Technobeats und Keyboardparts wirken zu gezwungen, teils ungenau. Eine Runde Nachsitzen bei den richtigen, kranken Nintendocore'lern wie Horse the Band oder Foxy Shazam wäre gar nicht verkehrt. Aber das Album wird ohnehin ein Knaller. Wenn Enter Shikari diese Qualität live ordentlich umgesetzt haben, dann haben die Billy Talent Jungs sicher alt ausgesehen. Ich lache jetzt noch ein wenig und runzle die Stirn. Ja, alles gleichzeitig.

6/10

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The Evens - Get Evens	
	
Dischord Records
VÖ: 27.09.2006
Spielzeit: 64:30

Farina.Mackaye.The.Evens.2.0.

Zugegeben war 2006 doch ein sehr stilles Jahr. Auch um das legendäre Dischord Label aus Washington, D.C. Der Herbst holt dann aber doch noch zum Rundumschlag aus. Zunächst das gemeinsame Warten auf den Weltuntergang mit einem der wichtigsten Köpfe der DC Szene J. Robbins und seinen Channels. Dann katapultierten uns French Toast auf ihre "'Ingleside Terrace". Ein weiteres Highlight ist vorliegende Veröffentlichung vom Spokesman einiger Generationen und Mitbegründer des Dischord Labels, Ian Mackaye, mitsamt Kollegin Amy Farina (Ex-The Warmers). Zusammen sind sie seit 5 Jahren: The Evens.

Was uns erwartet? Typisch dissonanter Dischord Sound, zweistimmiger harmonischer Gesang, die dunkel pochende Bariton Gitarre Mackayes' und natürlich die freundlichsten Grüße an den Präsidenten und sein Kollegium. Eine wunderbar harmonische Melange aus der musikalischen Vergangenheit beider. Das Hardcore Herz schlägt noch an der richtigen Stelle. Denn auch dieses Album wurde wieder DIY im Dischord Keller aufgenommen und bei Don Zientara zusammengeschraubt. Simple Strukturen wie damals bei Minor Threat, bloß Stagediven ist und bleibt vorgestern im Hause Mackaye - The Evens nehmen es besinnlicher, der hingebungvolle Einsatz ist aber weiterhin ungebrochen. Die vertraute Stimme erwärmt das Zimmer und den Körper. Nach einer verdient intensiven Auseinandersetzung ist eines klar - The Evens konnten tatsächlich noch besser werden!

Wer die beiden Musikanten letztes Jahr auf Tour erleben durfte, vielleicht sogar wie ich im kuscheligen 3001er Kino in Hamburg, kann die Magie spüren wenn Mackaye die Bühne betritt. Ruhe im Saal. Wie auf Knopfdruck. Die Band sitzt, das Publikum auch. Eine ganz neue Erfahrung. Das ist nicht einfach nur Musik. Eine sehr aktuelle und kritische Diskussionsrunde. Mackaye als Erzähler, Kritiker und Berichterstatter in der Hauptrolle. Farina als Rhythmus Sektion und Gesangunterstützung in der Nebenrolle. Das Publikum als interaktiver Teil der Show. Mackaye als Dirigent. Allgemeine Partizipation wenn der Meister spricht. Was wirklich ganz ganz Besonderes. The Evens bitte nur noch in ungewöhnlichen Behausungen auftreten lassen.

Kontrollzwänge und deren Verluste in "No Money" - der gläserne Mensch in "All You Find You Keep" - und ein offener Brief an den Präsidenten in "Dinner With The President". Mackaye fragt sich, warum er bisher keine Einladung zum Abendessen bekommen hat. Würde er doch zu gerne mal vorbeischauen. Leben sie doch in unmittelbarer Nachbarschaft. In der doch leicht eingeschränkten Eine-Weltsicht des Adressanten scheint es aber weder Mackaye noch Sonnenschein zu geben. Metaphorisch während dieser Festivität auf übervolle Teller und Münder hinzuweisen, das wäre was. Ob da dem Herrn Bush das gute Steak im Halse stecken bleiben würde?


Trotz und wegen Dischord Brille mindestens: 8/10

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Fall Out Boy - Infinity On High	
	
Island Records
Dauert: eine gute 3/4 Stunde
VÖ: 02.03.2007

Fall Out Boy ist eine Firma. Fall Out Boy ist Pete Wentz. Er produziert Filme, schreibt Bücher, hat ein Plattenlabel ("Decaydance" das neue Label von Lifetime u.a.) und ein eigenes Modelabel. Die Band nutzt er zur Kompensation seiner Depressionen. Fall Out Boy ist seine Therapie. Der Weltschmerz muss ja irgendwie ausgelebt werden. Patrick Stump, der immerhin seine Texte singt, und die anderen Jungs lassen ihn machen. Er sei derjenige, der was von diesem Business verstehe, argumentieren sie. Schade nur, denn gerade Patrick Stump scheint sehr viel auf dem Kasten zu haben. Aber es fehlt ihm an schwarzen Haargardinen, zugespackten Tattoo Armen und Emo:ness.

Fall Out Boy veröffentlichen dieser Tage Major Album Nummer zwei in Deutschland. Die Welt, zumindest die "Emowelt", liegt ihnen natürlich zu Füßen. Dieser Band und diesem Album ist es äußerst schwer aus dem Wege zu gehen. Selbst eine bekannte deutsche Gruschelplattform warb am Tage der Veröffentlichung für dieses Release. Ein Treffen mit Fall Out Boy gewinnen oder doch lieber [ausblenden]? Eine Zwickmühle.

Die Platte wurde zunächst USA-weit über Wal Mart Filialen veröffentlicht. Das ist auch eher Sell Out Boy als Fall Out Boy. Sie gehen zu überambitioniert an dieses Album. Waren es die Vorschußlorbeeren, ist es die Allgegenwärtigkeit von Pete Wentz? Begleitet mich auf der Suche nach dem Haken. Denn dieses Album könnte mehr, wenn Wentz nicht dermaßen viel gewollt hätte. Mit-Produzent Babyface (Ja, der HipHop Typ) sorgt ebenso für eine mega phatte Produktion. Weniger ist mehr. Vor allem im Punkrock. Drei potenzielle Hits reichen nicht aus. Es wirkt zu kalkuliert. Ein Resultat, wenn ein Geschäftsmann in seiner eigenen Maschinerie gefangen zu sein scheint.

"Yo, FOB!" gibt ihnen die Institution Jay-Z am Ende des Openers "Thriller" mit auf den steinigen Weg und leitet somit fast das Highlight und die erste Single "This ain't a scene it's an arms race" ein. Der HIT, der Knaller und Radio-tauglich to the max. Wären bloß die anderen Songs so mitreißend wie diese Hymne. Lückenfüller ist hier nur die lahme Collegerock Trällerei "The Take Over, The Break Over". Das anmutige Outro "I've Got All This Ringing In My Ears And None On My Fingers" hat gar ein paar Big Band Elemente integriert.

Einerseits klingen sie wie eine noch langweiligere Version von Maroon 5 "I'm like a lawyer with the way I'm always trying to get you off (me + you)". Sie drosseln ungemein das Tempo in "Golden". Die Piano Parts erinnern unfreiwillig an das Phil Collins/Genesis Zeitalter in den 1990ern. Andererseits erinnern "Thks Fr Th Mmrs" und "Fame < Infamy" an die Power der Band und deren Talent unglaubliche Hymnen zu schreiben. Mehr hiervon, dann läge hier die perfekte Platte für den Sommer 2007 vor.

Genug Medienpräsenz ist da, um auch auf dieser Seite des Atlantiks "The Next Big Emo Thing" zu werden. Hoffentlich scheitern sie nicht am Weltschmerz, Pete Wentz' Depressionen und dieser bösen Medien Hype Maschinerie, bei der sie leider selbst im Aufsichtsrat sitzen.

Am Ende kommt leider nicht mehr als simpler College Rock Emo heraus. Stellenweise sogar richtig langweilig. Der Vorgänger und Major Debüt "From Under The Cork Tree" hatte mehr Hymnen, machte eindeutig mehr Spaß. Viel zu viel wollen sie aus dieser neuen Platte holen. Das Resultat ist leider nur ein überambitioniertes Output. An dieser Band werden sich auch in Zukunft die Geister scheiden. Die TRL Generation vs. die, die eh alles besser wissen. Fans von My Chemical Romance, Panic! At The Disco, The Ataris, New Found Glory und Menschen mit positiven Feelings für Boygroups können blind zugreifen.

6/10

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Green Lizard - Las Armas del Silencio	
	
I Scream Records
Spielzeit: 37:43
VÖ: 21.04.2006

Hoi allemaal!
Was für eine kleine, grüne und enthusiastische Echse tapert denn da aus dem kleinen Oranjeland über die Grenze zu uns? GREEN LIZARD aus Tilburg in den Niederlanden sind das. In Benelux haben sie sich bereits eine respektable Anhängerschaft zusammengetourt. Immerhin sind sie da auch schon seit 1994 unterwegs. Unter anderem spielten sie jenseits des Heineken-Äquators die 2003er Vans Warped Tour. Das könnte sie auch hierzulande etwas bekannter gemacht haben.

"Las Armas Del Silencio" heißt Album Numero drei, erstes Release für die Band auf dem belgischen Label "I Scream Records". I Scream fällt sonst eher durch dicke HC Bollo Releases, oder auch eben nicht, auf. Die Holländer scheinen da vielleicht nicht ganz ins Konzept zu fallen. Warum denn nicht mal was wagen?!

Zunächst waren sie bei Double T Music unter Vertrag. Unfreiwillig waren sie dann auf einmal mit Major Sony unter der Haube, da diese unglücklicherweise Double T aufkauften. Zum Major wollte man ja nie (Credibility und solch Geschichten, weißte Bescheid, Schätzelein). Deswegen zeigt man sich auf Seiten von GREEN LIZARD sehr zufrieden einen Indie gefunden zu haben, der die Platte auch noch in ganz Europa rausbringt.

Genug Pilawa, Jörg. Was auf die Gehörgänge gibts natürlich auch. Die fidelen Echsen präsentieren sich mit einer Mischung aus Post-Grunge, Emocore und einer ordentlichen Portion melodischen Punkrock. Und die gehörige Portion catchy-ness wird natürlich in die richtigen Ecken gestopft. Der Opener "All you have" haut schon mal ziemlich um. Der/Das Gesang/Geschrei erinnert sehr an eine Mischung aus BOYSETSFIRE und HUNDRED REASONS. "Save Ourselves" ist teilweise richtig grungig-böse und zeigt die Vielseitigkeit der Stimme von Sänger Remi. Mit "Walk Over Water" wird daran erinnert, dass eine gewisse Ohrwurmgarantie in jedem GREEN LIZARD Song vertreten ist. Dies sollte sich dann zu Recht als der Hit dieser Scheibe herausstellen. Das passende Video dazu kann man seit ein Paar Tagen hier ansehen.

Gar vor Balladen machen sie keinen Halt. Outro "Epilogue: When our Eyes Close" knackt als einziger Song die fünf Minuten Grenze. Sehr fein auch das nette Plattenknistern am Ende dieses Songs. Das würde doch noch toller auf Schallplatte klingen. Die anderen 10 Knaller sind da doch etwas glatter produziert worden. Produzent Clif Norrell hat unter anderem auch REM, Pixies, Herrn Rollins, Faith no More in L.A. zusammengemixt. Vor Amiland Kollegen müssen sich diese vier Jungs mal gar nicht verstecken. Vor allem live nicht. Neben FACE TOMORROW het lekkerste Band van Nederland.


7/10 Punkte. Graag Gedaan.

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Hundred Reasons - Kill Your Own	
	
V2 Music/ Rough Trade
VÖ: 31.03.2006
Spielzeit: 41:46

"Are we nothing more than this - a list of pinnacles archieved? This time I've found a better way" versprechen sie in "Breathe Again".

Ob sich nun exakt 100 Gründe finden lassen, dieses Album schmackhaft darzustellen, sei mal dahingestellt. Trotzdem haben HUNDRED REASONS einen besseren Weg gefunden, definitiv einen anderen als bei Album zwei "Shatterproof Is Not A Challenge". Die Herren von der britischen Insel sind nämlich wieder richtig da. Im Gepäck Album Nummer drei "Kill Your Own". Ein neuer Plattendeal mit dem britischen Indie-Riesen V2 (sic!) machts möglich. Unter anderem geben sich dort die neuesten Hypes wie Bloc Party, Elbow, The Rakes die Klinke in die Hand. Jetzt kann sich jeder ausmalen, dass der Erfolgsdruck recht hoch gewesen war. Die letzte Chance vielleicht, die sich aber dennoch ausnutzen.

"Ideas Above The Station" hatte damals für ein Debüt recht viel Aufsehen erregt. Als Sie im Anschluss "Shatterproof Is Not A Challenge" veröffentlichten, schien die Band mit ihrem Latein am Ende. Keine Rückendeckung vom alten Label. Sie drohten an vielen Schikanen zu zerbrechen. Aber jetzt das hier. Applaus. HUNDRED REASONS haben dazugelernt, getourt ohne Ende, der Labelwechsel brachte frischen Wind und neues Selbstbewusstsein. Wenn sie musikalisch auf die Tube drücken "Live Fast, Die Ugly", dann tänzelt das Herz im musikalischen Dreieck zwischen Foo Fighters, Biffy Clyro und Posthardcore.

Von wunderbaren Emorockperlen "This Mess", über straight rockende Hymnen "Feed The Fire" und einem wahrlich schönen Abschluss in "Breathe Again" lässt sich alles finden. Viele haben nicht damit gerechnet, aber HUNDRED REASONS haben sich auf den Hosenboden gesetzt und "The Chance" genutzt, die V2 ihnen bot. Herrlich.
Nach mehrmaligen Hören nicht mehr aus der TOP10 des noch jungen Jahres wegzudenken. Man beachte die anstehende Tour mit THRICE im Mai.

Anspieltipps: Feed The Fire, Breathe Again, Live Fast Die Ugly, The Chance

7/10
	
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]]></description>
      <pubDate>Mon, 15 Oct 2007 05:35:14 -0700</pubDate>
      <guid>http://virb.com/yakyak/posts/text/272215</guid>
    </item>
    <item>
      <title>the mensch also known as "der unheimliche"</title>
      <link>http://virb.com/yakyak/posts/text/230911</link>
      <description><![CDATA[so, blogfreunde. es ist mal wieder zeit für ein lebenszeichen. ich bin ja sozusagen auf den blog gekommen. muaha.
da sowieso kaum jemand auf die idee kommt dies zu lesen, ist es vielleicht sogar noch lustiger. nah, lustig nicht. aber irgendwas anderes. wortfindungsprobleme galore. aber, das beschreibt die generelle situation hier auch ganz gut.

nachdem der gestrige nachmittag eher in die kategorie "kinderquatsch mit bieti/fraujoos/janjan" fällt... wurde der abend doch zusehends besser. es ist schon schlimm, wie es das internet immer wieder schafft, uns alle aus der konzentration zu reißen. Stundenlang hat so circa gar nichts funktioniert. doch: kaffee, skype, windows messenger, myspace, studifitz und emails.

ich enterte also die ulb am spääääten vormittag und nahm mein plätzchen neben bieti ein. es waren kaum übliche verdächtige da. naja, ein paar. aber die grüßt man nicht, weil man die ja eigentlich auch nicht kennt. noch nicht mals der unheimliche war da, der mir sonst immer gegenüber sitzt. müsste ich ihn beschreiben, würde ich die vokabeln mutation von hans hermann gockel (sorry, claudi) und tingel tangel bob ins plenum werfen. er hat aber auch was von bibo aus der sesamstraße. klamottentechnisch hat er schon mal für die pyjama party bei ulla nächste woche vorgesorgt. mir fehlen echt irgendwie langsam die worte. er wird uns nämlich sicher eines tages umbringen. die choreo moves, die er hier so täglich abstyled machen mehr angst als spass. und HEUTE ist er wieder da. und er sitzt hinter mir. nachdem jan gestern da den ganzen tag saß (man muss jetzt mal erwähnen, dass es auch in der ulb einen sogenannten lageplan gibt.... und jan sitzt normalerweise auf der anderen seite). das geht hier fast schon so zu wie im fussek battle an der wolbecker. jeder hat eine seite, und wenn hier irgendwas durcheinander kommt, dann steht der ganze tag unter einem komischen, nicht sogar schlechtem karma. mittagessen im heißgeliebten bispinghof, beate schafft es tatsächlich wie am vortag die netten tortellinis in käsesoße zu essen. leider kann sie heute nicht das triple schaffen, da wir alle schön auf den markt gehen. it's flammküchle time. und kaffee time. fein fein. reim reim. 

egal, gestern abend hatte dann doch noch irgendwann der schreibflow eingesetzt und ich habe meine tageshöchstdosis an schreiberei überschritten. schnell nach hause, watze mit kathi. happy hour cola kracher happened. psycho beziehungs talk happenend. komische telefonate (*ähem*) und so weiter und sofort. dann einfach nochmal ins gleis, ich bin ja so selten dort, in letzter zeit. da war gestern kellermusik konzert mit orangepeeler (ja, deutsche texte - geht doch nach hause), name vergessen (instrumentale schwebemusik) und lancaster (so eine art infectious allstarband um barde carsten...). beck's beck's beck's beck's weiter dieser kathi talk beck's... uiuiui. später dann noch eine NBA diskussion mit carsten über karl malone, alonzo mourning und john starks (jaja, das waren noch zeiten) und schon war wieder hunger da. aber der tolle neue dönerlanden, der mein herz inzwischen erobert hat - hatte schon zu. endlich war ich auch mal bei macdöner in der pornostraße. es war lecker. auch leolino's war um die ecke, allerdings ist zwischenzeitlich ein wenig vernunft eingekehrt. vielleicht. einfach mal nach hause. ein wenig online quatsch gemacht und geträumt stefan hätte mir für 200EUR ein macbook verkauft. manchmal könnten träume einfach mal wahr werden. stefan hat glaube ich gar kein macbook, aber das ist glaub ich auch nur, weil ich den ganzen tag neidisch auf bieti ihr gerät starre, während ich hier mit meiner kiste schlimmen krach mache. der einzige trost ist der typ vor mir. ich nenne ihn liebevoll chris o'donnell. der studiert anatomie und hat gestern eine hässliche hose angehabt. seine dell kiste ist um einiges lauter. es gibt doch immer irgendwo trost, ich muss nur lange genug suchen. so, jetzt mittagessen. freue mich schon den ganzen tag. tschüssek. ]]></description>
      <pubDate>Wed, 19 Sep 2007 06:50:47 -0700</pubDate>
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      <title>decent sleepless ms county nights</title>
      <link>http://virb.com/yakyak/posts/text/219121</link>
      <description><![CDATA[ich kann nicht schlafen. also werde ich mich mal beteiligen.

soundtrack der letzten tage:

freitag: i'm from barcelona - treehouse (ich lösche so in etwa alle daten von meinem
handy, um mir den song per bluetooth schicken zu lassen - aber entweder bin ich
schon zu betrunken oder mein handy hat nicht genug speicherplatz. diese aktion
dauert an. wir enden auf einer wg party, auf die keiner von uns eingeladen war. auf
einmal sind wir nicht mehr auf dieser wg party sondern bei einem kumpel und schreien
auf dem weg dahin "depeche mode, depeche mode". wir schauen depeche mode dvds bis
sehr spät. ich bin zu spät im bett. das rächt sich.)
samstag: 09:00 klingelt der wecker, nach etwa drei stunden schlaf. irgendwie kam ich
gestern nacht auf die idee zu wetten... von wegen wer zuerst in der ulb. muss ja was
getan werden. ich habe gewonnen. 1:0 haha. mittagessen gewonnen. um 18h spielen die
h-blockx auf dem domplatz. inoffizieller song für samstag: h-blockx - risin' high.
ja, wir befinden uns in münster - da kommen noch leute freiwillig diese band
(übrigens auch für lau :D) zu sehen. ich kann mir nur etwa 4 songs der h-blockx
ansehen, schlaftrunken schmeiße ich fast mein handy auf die straße. ich muss
arbeiten - die ganze nacht - also gehts nach hause. china essen geholt - fussek
erste halbzeit - kaffee - arbeit (infectious). der club füllt sich, lustige und
unlustige menschen basteln süße knetefiguren (und geschlechtsteile), trinken,
tanzen, haben spaß. ich auch. DER SONG: the wombats - let's dance to joy division
wird gespielt. das herz freut sich. afri cola happens, beck's happens, alle kippen
sich schön einen hinter die binde. ich schaue zu, lächle, tanze, unterhalte mich.
der song ist im kopf. bis ...
sonntag abend: nein, eigentlich sogar bis montag morgen. der tag wird dafür
verschwendet die wohnung aufzuräumen, zu putzen, bla... was auch immer. abends
konzert im bosporus grill. the gaslight anthem (ganz toll für menschen, die hot
water music, against me und social distortion mögen -} also alle guten menschen) in
so einer kuscheligen atmosphäre. viele nette menschen da. der dritt letzte song des
sets war der hammer, hab aber vergessen, wie der hiess. egal, platte gekauft. clear
blue vinyl. das ist doch was. danach noch schnell ins gleis22 gelaufen, vielleicht
sind ja malajube noch auf der bühne. nein, waren sie nicht. jan spielt dj und legt
die k.i.z. platte in den player. wir trinken bionade in der küche und battlen
"duuuuu huuuurensohn....ich mache party auf deinem grab"... :D was mögen die
konzertgäste gedacht haben... ich werde jetzt erstmal untertauchen. das reicht
erstmal wieder für die nächsten paar wochen.]]></description>
      <pubDate>Wed, 12 Sep 2007 04:53:28 -0700</pubDate>
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